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Kultur Facettenreiches Programm im Sprengel Museum
Weltgeschehen Kultur Facettenreiches Programm im Sprengel Museum
12:00 10.02.2014
Hannover

Gleich heute um 18.30 Uhr wird er Begrüßungsworte bei der Eröffnung zweier Ausstellungen sprechen. „Alles Mögliche, was uns interessiert“ heißt eine Schau über die Textsammlungen von Kurt Schwitters, dem wichtigsten hannoverschen Künstler der klassischen Moderne, der seine Kunstform „Merz“ nannte. Die Ausstellung kreist um fünf Kladden, in denen Schwitters Zeitungsausschnitte, Künstlerkorrespondenzen, Leserbriefe und mehr sammelte, und beleuchtet sein Werk von ungewohnter Seite. Parallel vereint die Schau „REPORT. Künstlerische Strategien der Dokumentation in den 1960er und 1970er Jahren“ unter anderem Arbeiten von Joseph Beuys, Christo oder Andy Warhol und spiegelt den veränderten Werkbegriff in der Neuzeit.

Am 9. März startet dann Spielers erste eigene Ausstellung vor Ort, eine Übernahme aus seiner vorherigen Wirkungsstätte, dem Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum. Sie heißt „tour“ und präsentiert rund 40 Arbeiten des in London lebenden niederländischen Künstlers Michael Raedecker. Dessen Spezialität ist die Verbindung von Malerei und Stickerei, wodurch sogar vermeintlich alltägliche Motive formal wie auch inhaltlich zusätzliche Dimensionen bekommen.

Auch am Sprengel Museum gehen die Feierlichkeiten um den 300. Jahrestag der Krönung des Hannoveraner Kurfürsten zum König von Großbritannien nicht gänzlich spurlos vorüber – dieses Jubiläum spielt ja in vielen Häusern, darunter das Residenzmuseum im Celler Schloss, 2014 eine gewichtige Rolle. Bei Sprengel würdigt man ab dem 14. Juni die länderübergreifende Verbindung mit der Ausstellung „Die frühen Jahre: Britische und deutsche Kunst nach 1945“ – hier sollen besonders skulpturale Werke zur Geltung kommen. Außerdem steht einmal mehr die Fotokunst im Brennpunkt: Am 18. Oktober fällt der Startschuss für die Präsentation „Martin Parr. We love Britain“. Dabei werden unter anderem Aufnahmen gezeigt, die Parr auf Einladung vor Ort gemacht hat, quasi eine Spurensuche nach dem Britischen im heutigen Hannover – ein Abstecher nach Bergen war auch dabei. Man darf gespannt sein, ist der Fotograf doch keineswegs unumstritten: Seine Arbeiten pendeln oft zwischen sanfter Ironie und bitterbösem Sarkasmus.

Einem weit betrüblicheren Jahrestag zollt das Sprengel Museum ebenfalls seinen Tribut: 1914 begann der 1. Weltkrieg. Ab dem 4. Juni zeigt die Ausstellung „Schlachtfelder“ erschütternde Zeichnungen und Druckgrafiken von Künstlern wie Max Beckmann, Otto Dix oder Käthe Kollwitz. Und die womöglich seltsamste Schau des Jahres startet am 21. Juni: Der US-amerikanische Fotograf Alec Soth präsentiert „The Little Brown Mushroom Suitcase Show” – und was das Museum dabei mit der Ankündigung „Auch Tischtennis darf gespielt werden“ meint, muss sich erst noch herausstellen.

Von Jörg Worat