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Kultur Faszinierende Entdeckungsreise mit Isabelle Faust
Weltgeschehen Kultur Faszinierende Entdeckungsreise mit Isabelle Faust
12:54 19.06.2017
Braunschweig

Selbst wenn man dem Vorgehen, diese Musik in kleiner Besetzung und mit teilweise historischem Instrumentarium zu spielen, kritisch gegenübergestanden haben sollte, so wurde man schnell überzeugt durch die spezielle Spielweise des Orchesters und der Solistin. Schon die erste Phrase faszinierte: Da gab es zwar Ausdruck pur, aber kein bißchen klangliches Fett oder Schmalz. Faust ließ Details erklingen, die man kaum je gehört hat in diesem Stück. Sie hat nur das Original ernst genommen und ist ihm auch dann gefolgt, wo manch Kollegin stillschweigend nach eigenem Gusto Korrekturen vornimmt, das Stück in Vibrato ertränkt oder zu laut spielt. Nichts davon hier. Fausts so virtuose wie zurückhaltende und die Feinheiten erforschende Spielweise ergab zusammen mit dem subtil und auf Ohrenhöhe begleitenden Orchester ein Hörerlebnis erster Güte. Dass Faust sich generell nie in den Vordergrund spielt, das Konzertieren immer als etwas Gemeinsames sieht, das macht die Sache zusätzlich noch besonders sympathisch.

Nach der Pause dann die große Sinfonie mit dem berühmten Dresdner Amen, das später Richard Wagner in seinem „Parsifal“ noch verwenden wird. Und am Schluss mit dem Luther-Choral „Ein feste Burg“. Auch dieses Stück funktionierte in der verkleinerten Besetzung eines Barockorchesters. Die Balance zwischen den weichen und leiseren Bläsern und den reduzierten Streichern gelang bestens. Nicht nur die Geigerin und das Orchester waren hervorragend, auch der Dirigent. Ein sehr eindrücklicher Abend.

Von Reinald Hanke