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Kultur Festival „Tanztheater International“ zieht alle Register
Weltgeschehen Kultur Festival „Tanztheater International“ zieht alle Register
13:08 20.07.2017
Time Takes The Time Time Takes vom libanesisch-spanische Choreografenpaar Guy Nader und Maria Campos Quelle: Alfred Mauve
Hannover

„Viele Themen betreffen auf die eine oder andere Weise jeden Menschen“, sagt die künstlerische Leiterin Christiane Winter. „Dann kann aus vermeintlich Privatem schnell so etwas wie eine politische Aussage werden.“ Als Beispiel mögen die Stücke des französischen Choreographen Mickaël Phelippeau dienen, der seine berührenden Arbeiten mit Tanzlaien schon mehrfach beim Festival präsentiert hat. Er stellt diesmal in „Mit Daudi“ einen jungen Mann aus Uganda vor, der in Deutschland eine neue Heimat gefunden – eine sehr persönliche Geschichte, die indes das allgegenwärtige Thema Migration aufgreift. Erfahrungsgemäß dürfte es aber nicht gar zu schwermütig werden, wenn die Vorstellung am 7. September im Ballhof Zwei läuft.

Insgesamt sind an elf Tagen zwölf Produktionen zu sehen, darunter drei Deutsche Erstaufführungen. Nicht wenige Programmpunkte haben einen ausgeprägt theatralen Einschlag. So auch der Auftakt am 30. und 31. August in der Orangerie mit dem Stück „Fact“ von der französischen Gruppe „Black Sheep“ – zwar spielen hier die besagten Hip-Hop-Einflüsse eine große Rolle, zugleich aber auch die abstrakten Bühnenbild-Elemente, die während der Performance ständig umgebaut werden und dadurch immer neue Szenarien schaffen.

„Es gibt zwei Stücke, die eindeutig von der Musik und vom Rhythmus ausgehen“, erläutert Winter. Zum einen zeigt das libanesisch-spanische Choreographie-Duo Guy Nader und Maria Campos am 2. September in der Orangerie ein Stück mit dem durchaus philosophischen Titel „Time Takes The Time Time Takes“, wobei zu Live-Musik ein höchst intensiver Bewegungsfluss erzeugt werden soll.

Noch heftiger dürfte es zugehen, wenn sich am 6. September an gleichem Ort ein Oktett in der Orangerie zu dröhnenden Techno-Beats aus einer großflächig gespannten Netzstruktur zu befreien sucht – die Choreographie „Boom Bodies“ stammt von der Österreicherin Doris Uhlich. Die mischt erstmals beim Festival mit und zwar gleich doppelt: Am 4. September will sie mit vollem Körpereinsatz unter dem Motto „mehr als genug“ im Ballhof Zwei die Schönheitsideale hinterfragen, die es sowohl in der Tanzszene als auch allgemein in der Gesellschaft gibt und die bekanntlich stark von kulturellen Prägungen abhängen. Zum Abschluss erinnert sich der Libanese Omar Rajeh an frühere Besuche beim Großvater, wenn die ganze Familie zusammenkam: Für sein Stück „Beytna“ („Zuhause“) hat er Künstler-Kollegen aus Belgien, Togo, China und dem Nahen Osten eingeladen – so wird am 8. und 9. September in der Orangerie getanzt, musiziert und live gekocht.

Von Jörg Worat