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Kultur „Festival in Herrenhausen muss immer neue Wege gehen“
Weltgeschehen Kultur „Festival in Herrenhausen muss immer neue Wege gehen“
20:48 18.03.2015
Xiao Ke x Zi Han in Yokohama 2014. Quelle: Hideto Maezawa
Hannover

„Gegen den Strich“ heißt das Motto der diesjährigen „KunstFestSpiele Herrenhausen“, die vom 29. Mai bis zum 14. Juni stattfinden werden. Und gegen den Strich hat Elisabeth Schweeger dieses Festival gewiss gebürstet: Zum sechsten und letzten Mal ist sie als Intendantin für das verantwortlich, was vor ihrem Amtsantritt als „Festwochen Herrenhausen“ lange Zeit ein eher beschauliches Dasein gefristet hatte.

Ein aktueller Schwerpunkt ist China, nicht sonderlich überraschend für jemand, der so ausgeprägt an Veränderung interessiert ist wie Schweeger: „Dort finden ja in atemberaubender Geschwindigkeit neue Entwicklungen statt. Ich habe schon vor zwei Jahren erste Kontakte geknüpft und habe jetzt die Möglichkeit, zwei sehr unterschiedliche Positionen zu zeigen.“ Nämlich zum einen das Musiktheater-Stück „Flee By Night“ von Danny Yung, der die jahrtausendealte Tradition der Kun-Oper mit neuesten digitalen Techniken verbindet. Xiao Ke und Zhou Zi Han dagegen zeigen die körperbetonte Performance „We Apologize To Inform You“, bei der die Barockfresken im Herrenhäuser Galeriegebäude mit chinesischen Schriftzeichen kombiniert werden – Thema der Arbeit ist vor allem die Fragwürdigkeit von Sprache im Dienste der Propaganda.

Grenzen anderer Art überschreitet Komponist und Installationskünstler Georg Nussbaumer: „Er hat Richard Wagners ,Ring’ neu arrangiert“, erläutert Schweeger. Herausgekommen ist dabei eine begehbare Installation, die rund 16 Stunden lang laufen soll. Fraglos eine ganze Menge, zumal laut Ankündigung die Eintrittskarte stündlich zum Genuss einer Flasche Bier „als Vergessenstrank“ berechtigt.

Das „Ensemble ascolta“ wird Kompositionen des 1993 verstorbenen Frank Zappa zur Aufführung bringen, die posthum für leibhaftige Instrumente eingerichtet wurden – ursprünglich waren sie im Synclavier, einem Synthesizer mit Sampling-Funktionen, gespeichert. „Zappa gehört unmittelbar zu meiner Sozialisation“, sagt Schweeger. „Ein kluger Kopf, ein Grenzgänger zwischen Rockmusik und Avantgarde. Und ein sehr politischer Künstler.“ Der Programmpunkt scheint umso bemerkenswerter, als Zappa-Witwe Gail gemeinhin als eigensinnig gilt. Die Intendantin ist daher froh, dass sie selbst mit den Diskussionen über die Aufführungsrechte nichts zu tun hatte: „Erben sind immer schwierig …“

Wenn wir schon von Erben sprechen: Elisabeth Schweeger ist sich sicher, ihrem Nachfolger Ingo Metzmacher ein sorgsam bestelltes Feld zu hinterlassen. Und dass sie, die Theaterfrau, den Stab nun an einen Mann der Musik weiterreicht, hält sie für einen großen Pluspunkt: „Er wird natürlich eigene Akzente setzen. Das geht auch gar nicht anders – ein Festival wie die ,KunstFestSpiele’ muss immer wieder neue Wege gehen.“

Von Jörg Worat