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Kultur Filigrane Strukturen akribisch gezeichnet
Weltgeschehen Kultur Filigrane Strukturen akribisch gezeichnet
08:24 13.12.2016
Das unbetitelte Werk von Toulo Hassaniist eine Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland aus der Sammlung Zeit-genössische Kunst. Quelle: Volker Crone
Hannover

Hassani, Jahrgang 1984, hat weniger die klassische Abbildung im Sinn, sondern untersucht vor allem die Grundlagen, auf denen so etwas wie ein Bild entsteht. Lohn für diesen eigenwilligen Ansatz war jetzt der Sprengel-Preis für Bildende Kunst der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der alle zwei Jahre vergeben wird und mit 12.500 Euro dotiert ist. Die Ausstellung zeigt durchweg neue Werke, entstanden in diesem Jahr.

Sind es Webmuster, die da auf manchen Arbeiten erscheinen? Nein, bei genauem Hinschauen stellt sich vielmehr heraus, dass die filigranen Strukturen akribisch mit Feinminenstift und Pinsel gezeichnet sind. Ein Mikrokosmos aus winzigen Treppen, die das Bild gleichsam vibrieren lassen und wirken wie Op-Art unter der Lupe – ein Balanceakt zwischen Fläche und Raum, der absichtlich nicht ganz gleichmäßig gestaltet ist, sondern punktuelle Verdichtungen mit einbezieht.

Hassani hat Bilder stets auch als Objekte betrachtet, früher etwa mittels Durchtränkung der Bildträger die Keilrahmen sichtbar gemacht. Einige der im Sprengel Museum vertretenen Arbeiten sind durch Stauchungen der Leinwände und Abgussmechanismen entstanden, auch sie changieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, können zudem durch das verwendete Epoxidharz einen sehr speziellen Oberflächenglanz aufweisen.

Bei einer großen Collage aus Einzelblättern schließlich nutzt die Künstlerin ein Phänomen, das üblicherweise kaum beachtet oder sogar als lästig empfunden wird: die Zufallsbelichtungen, die beim Fotokopieren am Rand des Papierbogens auftauchen können. So entsteht, ganz anders als im herkömmlichen Sinn, ein Spiel mit Licht und Schatten.

Von Jörg Worat