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Kultur Gaetano Donizettis „Der Liebestrank“ kann in Hannover nicht überzeugen
Weltgeschehen Kultur Gaetano Donizettis „Der Liebestrank“ kann in Hannover nicht überzeugen
14:32 06.06.2017
Hannover

Nemorino, ein schüchterner junger Bauer aus einem baskischen Dorf, liebt Adina, eine reiche junge Pächterin. Doch sie ist flatterhaft und weist seine Liebesbezeugungen immer wieder ab. Da trifft es sich gut, dass just in diesem Moment Dulcamara, ein redseliger Quacksalber, im Dorf eintrifft und sein wundersames Allheilmittel, das auch gegen Liebeskrankheit helfen soll, anpreist. „Der Liebestrank“ hatte jetzt an der Staatsoper Hannover in der Inszenierung von Tobias Ribitzki Premiere.

Donizetti hat seine Oper in nur wenigen Wochen verfasst, aber schon bald gehörte sie zu seinen beliebtesten Werken. Überaus eingängig und gefühlsbetont ist die Musik, aber kaum etwas davon spiegelt sich auf der hannoverschen Bühne wider. Da spürt man kaum etwas vom Witz der Handlung und auch die Abstimmung zwischen Orchestergraben und Bühne kriegte Daniel Klein am Pult des niedersächsischen Staatsorchesters nur schwer in eine ausgeglichene Balance. In farbenprächtigen Gewändern (Rebekka Zimlich) steht der Chor in langer Reihe aufgereiht vor einer gewaltigen Stadtmauer mit schiefem Wehrturm, der später von Bühnenarbeitern wieder abgeräumt wird, zuckt hin und wieder mit den Schultern und behauptet tanzen zu wollen. Aber niemand rührt sich. Matthias Winckhler als angeberischer Belcore („Ich bin galant, ich bin Sergeant“) reitet mit klangvollem Bariton auf einem umgeschnallten Holzpferd in die Stadt ein und entflammt sofort Adinas Herz (mit kräftigem Sopran Athanasia Zöhrer) und der liebeskranke Nemorino (stimmlich ansprechend Robin Kim), in der Lesart des Regisseurs gleichgesetzt „mit der Verehrung eines Minnesängers, der in seiner Kunst ein idealisiertes und stilisiertes Bild der `vrouwe` preist“, wirbt in schwarzem Anzug inmitten der mittelalterlich Gekleideten unverdrossen um die Gunst seiner Angebeteten.

Nein, mit bloßem Rampenservice vergangener Zeiten und mit aufgesetzter Symbolik ist nicht viel zu gewinnen. Da bietet gerade Donizettis „Liebestrank“ dem Regisseur sehr viel mehr Möglichkeiten der Gestaltung. Oder um es mit Shakespeare zu sagen: Diese Inszenierung ist mehr als nur „von des Gedankens Blässe angekränkelt“. Schade.

Von Hartmut Jakubowsky