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Kultur Galicischer Tausendsassa Carlos Núñez sorgt bei „Konzertfest“ für mächtig Wirbel
Weltgeschehen Kultur Galicischer Tausendsassa Carlos Núñez sorgt bei „Konzertfest“ für mächtig Wirbel
14:38 27.06.2016
Hannover

Für das traditionelle „Konzertfest“ zum Saisonabschluss hatte Kamensek mit dem galicischen Tausendsassa Carlos Núñez und dessen Band hochkarätige Unterstützung eingeladen. Die Gäste sorgten dann auch für mächtigen Wirbel, und es lässt sich kaum leugnen, dass sie dem Niedersächsischen Staatsorchester einigermaßen die Schau stahlen – keineswegs aus bösem Willen, sondern schlicht durch ihre beeindruckende Präsenz. Da nützte es nur bedingt, dass Núñez das hannoversche Ensemble in einer seiner mehrsprachigen Ansagen charmant zum „besten Orchester der Welt“ erklärte.

Das Konzertfest lief unter dem Motto „Crossover“, wobei Klassik im eigentlichen Sinne nicht stattfand. Komponist Hughes de Courson vermengt in seinem Stück „O‘Stravaganza“ zwar keltische Musik mit Vivaldi, und es erklang eine Transkription von Pablo de Sarasates „Muiñeira“ für, so Núñez, „Blockflott“, aber mit dem Begriff „Weltmusik“ ist das Geschehen in diesem Fall absolut richtig beschrieben. Immerhin gab’s keinen Schuhplattler, wenngleich Núñez zwischendurch großzügig sogar Bayern zum keltischen Einflussgebiet erklärte.

Die „Berlin Pipe Company“ hatte zur Einstimmung schon auf dem Opernvorplatz gespielt und bewies auch bei ihren Auftritten während des Konzerts, dass Dudelsäcke keineswegs immer penetrant klingen müssen. Núñez selbst bediente mit der Gaïta die galicische Version dieses Instruments („mein kleines Monster“) und ein ganzes Arsenal unterschiedlicher Flöten, legte dabei eine wahnwitzige Virtuosität und mannigfache Anblastechniken an den Tag. Der auffälligste seiner Mitstreiter war der kanadische Fiedler Jon Pilatzke, der die Beine nicht stillhalten konnte und schließlich einen waschechten Steptanz aufs Parkett legte.

Zu den Programmpunkten gehörten etliche Traditionals, bei Leroy Andersons Suiten durfte das Orchester auch mal unbegleitet agieren. Das sich übrigens für diese Gelegenheit in Schale geschmissen hatte – mutig trat ein Geiger gar mit Schottenrock an. Wie immer beim Konzertfest gab es in der einstündigen Pause überall im Opernhaus kleine Häppchen musikalischer und kulinarischer Art.

Karen Kamensek und Hannover: Die ganz große Liebe ist aus dieser Kombination zwar vielleicht nie entstanden, aber eine respektvolle Beziehung war es allemal. Und dass die scheidende Generalmusikdirektorin ein Händchen für die Aufhebung zwischen „U“ und „E“ hatte, machte ihr letztes Konzert sehr deutlich – so viel Mitklatschen im Stehen erlebt das Opernhaus bestimmt nicht alle Tage.

Von Jörg Worat