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Kultur Geballtes Können mit einer Reihe von Glanzlichtern in der Christuskirche in Hannover
Weltgeschehen Kultur Geballtes Können mit einer Reihe von Glanzlichtern in der Christuskirche in Hannover
20:36 10.11.2014
Hannover

Das britische A-cappella-Sextett gehört sicherlich zur Weltklasse, der Chor auf seinem Gebiet ebenfalls. Schön daher, dass sich offenbar eine kontinuierliche Zusammenarbeit anbahnt, war dies doch keineswegs das erste Aufeinandertreffen der Beteiligten. Bei derart geballtem Können wirkte es wenig erstaunlich, dass das Konzert eine ganze Reihe von Glanzlichtern aufwies.

Der Teil vor der Pause gehörte allein den King’s Singers. Die sechs Herren entwickelten viel Charme und einigen Witz: Hans Leo Hasslers Trinklied „Frisch auf“ mit den kernigen „Prost!“-Einschüben sorgte für hörbare Heiterkeit im Publikum, und das „Masterpiece“ von Paul Drayton mit seinen Aneinanderreihungen von Komponistennamen und Werktiteln driftete sogar in Gefilde der gekonnten Albernheit ab. Sechs Mendelssohn-Lieder sorgten für ein Gegengewicht, allerdings wackelten hier zuweilen die hohen Lagen, was angesichts der sonst so unangestrengten Intonation besonders auffiel.

Nachher durfte der Mädchenchor mittun und hatte teilweise auch die Bühne für sich, etwa beim Highlight des gesamten Konzerts, Arvo Pärts „Peace upon You“: Wo diese Teenies eine solche Spiritualität hernehmen, bleibt schleierhaft, selbst wenn das Engagement von Chorleiterin Gudrun Schröfel entscheidend dazu beiträgt. Beim (gekürzten) „Zauberwald“ von Alfred Koerppen brillierten die Mädchen mit allerlei Gezwitscher, Gefiepe und Gekrächze nebst gestischen Einlagen. Die King’s Singers wiederum ließen sich ihrerseits nicht lumpen und trafen mit drei Traditionals, vor allem der irischen Ballade „The Star of the County Down“, mitten ins Herz – gerade was so einfach scheint, ist besonders schwer vorzutragen. Und ein spektakulärer Programmpunkt war die gemeinsame Uraufführung von Francis Potts „Hands across the Darkness“, ein in den besten Momenten fast meditatives Erlebnis, im Gesamtklang jedoch nicht immer ganz konturenscharf, was eher an der Komposition liegen dürfte als an der Umsetzung.

Als Zugabe zelebrierten King’s Singers und Chor zum Jahrestag des Mauerfalls die Shaker-Hymne „Simple Gifts“, und dann brach endgültig der große Jubel los, zum Teil garniert mit Ovationen im Stehen.

Von Jörg Worat