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Kultur Gefäße für jeden Geschmack und Geldbeutel
Weltgeschehen Kultur Gefäße für jeden Geschmack und Geldbeutel
17:23 15.06.2016
Hannover

Die Tassen der Bremerin Frauke Alber etwa sind mit Preisen zwischen 25 und 50 Euro durchaus erschwinglich, umso bemerkenswerter, als hier Gold- oder Platinapplikationen zum Einsatz kommen können. Am anderen Ende der Kostenpalette steht eine klassische Silberkaraffe von Ismael Conde Ruiz aus Selb, für die 7335 Euro fällig werden.

Der Begriff „Tasse“ ist hier ohnehin großzügig ausgelegt, es geht eher um alle möglichen Gefäße, die sich zur Flüssigkeitsaufnahme eignen. Und selbst das im Einzelfall nur bedingt, da in der Handwerksform traditionell die Grenze zwischen Gebrauchs- und Kunstobjekt fließend ist; so mutet es eher unwahrscheinlich an, dass jemand die aus Tassen- und Untertassenfragmenten zusammengesetzten Gebilde von Siobhan Tarr aus Bad Oldesloe regelmäßig benutzt. Auch die Arbeiten von Nesrin During sind für den täglichen Einsatz wohl kaum geeignet – es hat seine Gründe, weshalb die in der Türkei geborene Niederländerin lieber von „keramischen Skulpturen“ spricht.

Fans von japanisch beeinflussten Techniken kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten. So zeigt Uta K. Becker aus Hoffnungsthal farbig akzentuierte Schalen, die im Rakubrand gefertigt wurden. Dass die Glasuroberfläche beim Abkühlen aufreißt und das typische Netzmuster ausbildet, ist hier durchaus im Sinn der Sache. Wer es nicht immer ganz regelmäßig haben muss, findet bei Markus Böhm aus Lärz wunderbare Stücke, bei denen Holzbrand und Sodaanflüge zum Einsatz kamen. Das Tablett mit drei unterschiedlichen Sakebechern, die gleichwohl eine Einheit bilden, mag auch denjenigen zusagen, die dem japanischen Reiswein nichts abgewinnen können. Eine sehr eigene Ästhetik zwischen Schönheit und einem Hauch von Ruppigkeit wiederum hat der Tscheche Jan Jansky entwickelt.

Gibt’s denn gar nichts aus Glas? Doch, natürlich. Wer allerdings bei den Trinkgefäßen von Steffen Orlowski aus Lauscha vergeblich nach Fußplatten sucht, die das Abstellen auf dem Tisch ermöglichen, sollte wissen, dass die langstieligen Gläser für den Außeneinsatz vorgesehen sind – man steckt sie in Rasen, Strand oder wo man es sich sonst gerade bequem gemacht hat.

Von Jörg Worat