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Kultur Genüsslich und nie gehässig
Weltgeschehen Kultur Genüsslich und nie gehässig
13:02 01.11.2017
Die grenzverletzende Familiensaga „Home.Run“ von und mitHartmut El Kurdi ist auf der Cumberlandsche Bühne zu sehen. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

El Kurdi ist bekannt als Autor von Kinderbüchern, Glossenschreiber, Darsteller oder Regisseur, und für eine Spielzeit war er Dramaturg am hannoverschen Staatsschauspiel, das jetzt dieses neue Stück ins Programm genommen hat. Eigentlich lautet sein erster Vorname „Samer“, aber da geht sie schon los, die Geschichte des Mannes mit der deutschen Mutter und dem jordanischen Vater, die sich in England kennengelernt haben. Es hat seine Gründe, warum die Produktion im Untertitel „Eine grenzverletzende Familiensaga“ heißt.

Viel ist von Reisen die Rede, und manchmal führen diese auf die eine oder andere Weise nach Absurdistan. Dass etwa gerade die Mutter durchaus als Wirtschaftsflüchtling bezeichnet werden kann – sie verließ Deutschland nach dem 2, Weltkrieg, weil sie andernorts bessere Chancen sah –, ist nach der gängigen Terminologie schon etwas eigenartig. Und als sie später zusammen mit dem Sohn zurückkehrte, waren offenbar recht bizarre Rituale zur Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft erforderlich – ein in breitestem hessischen Dialekt sprechender Beamter hat demnach akribisch geprüft, ob die Antragsteller sich denn auch hinreichend auf Deutsch artikulieren können.

El Kurdi spielt so etwas genüsslich aus, wird aber nie gehässig. Auch die skurrileren Verwandten, auf die er bei seinen Recherchen gestoßen ist, erwähnt er mit einem Augenzwinkern – und verteilt die Süßigkeiten, die er gerade mal wieder aus dem Orient zugeschickt bekommen hat, unter den Zuschauern.

Überhaupt wird nicht nur geredet. Es gibt eine Diashow und Live-Musik, die El Kurdi, ein fähiger Gitarrist, zusammen mit der Bassistin Maria Rothfuchs zu Gehör bringt. Dazu kleine Filmchen, etwa von der Cousine, deren Mutter halbirische Syrerin ist und deren Gatte teils dänische, teils türkische Wurzeln hat ... Grenzverletzungen halt.

Regie bei alledem hat Ulrike Willberg von der freien Theatergruppe „Agentur für Weltverbesserungspläne“ geführt und den Abend weitgehend auf den Punkt gebracht. Einen sympathischen Abend mit ein paar Schwachstellen – so versteht man El Kurdi manchmal schlecht, was weniger an ihm liegt als an der seltsamen Raumakustik. Und falls die ausgedehnten Verzögerungen vor dem Einlass inszeniert gewesen sein sollten: Ist nicht so die Knalleridee.

Von Jörg Worat