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Kultur Geschichte zweier verlorener Seelen
Weltgeschehen Kultur Geschichte zweier verlorener Seelen
13:39 21.10.2016
Hannover

Er ist ja auch in einer ungemütlichen Szenerie angesiedelt, nämlich in einer vom Krieg verwüsteten Stadt, die überall sein könnte. Hier begegnen sich mit Sascha (Carolin Haupt) und Schura (Sebastian Weiss) zwei verlorene Seelen. Besser gesagt, sie begegnen sich wieder, wohnten sie einst doch zusammen unter einem Dach. Die Erlebnisse haben beide hart gemacht, so dass gegenseitige Versuche der Annäherung letztlich immer wieder zum Scheitern verurteilt sind. Es hat schon seine Gründe, dass im Hintergrund ein riesiger Totenschädel (Bühne: Julia Berndt) prangt.

Das Stück ist der radikalen britischen Dramatikerin Sarah Kane (1971 bis 1999) gewidmet und greift deren Thematik und Stilistik auf. Regisseurin Paulina Neukampf verstärkt manche verstörenden Elemente, wenn etwa die Artikulation ins Nonverbale abdriftet und durch Mikrophoneinsatz noch fremdartiger wirkt. Unter dem Strich kommt das dann jedoch streckenweise arg konstruiert daher – der Balanceakt zwischen Menschlichkeit und Verrohung entwickelt sich nicht organisch, sondern scheint gleichsam verordnet. Vor allem die immer wieder sehr explizite Sprache entwickelt auf die Dauer eine gewisse Penetranz.

An den Darstellern liegt’s nicht. Sebastian Weiss und noch mehr Carolin Haupt entwickeln so viel glaubhafte Emotionalität, wie die Vorlage das zulässt, und meistern die geforderten Verfremdungen souverän. Gleichwohl lautet das Fazit: Obwohl die Vorstellung nur rund eine Stunde dauert, ist sie ziemlich anstrengend.

Von Jörg Worat