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Kultur Giacomo Puccinis Tosca in Braunschweig ohne Fehl und Tadel
Weltgeschehen Kultur Giacomo Puccinis Tosca in Braunschweig ohne Fehl und Tadel
16:33 19.09.2016
Braunschweig

In düsteren Bildern erzählen reichlich undramatisch und unaufgeregt Regisseur Schwab und sein Inszenierungsteam die Geschichte der Opernsängerin Floria Tosca und des Malers Mario Cavaradossi. Beide werden hineingezogen in einen tödlichen Strudel von Gewalt, dem sie letztlich nicht entrinnen können. Die ruinösen Zustände um sich herum erkennen sie erst, als sie durch den infamen und perversen Polizeichef Scarpia zu Opfern geworden sind. Die Scheinexekutierung Cavaradossis wird zum blutigen Ernst, und erst über dem Leichnam des Geliebten begreift Tosca, dass auch sie zum Spielball der Mächtigen geworden ist. Ein römischer Softkrimi aus der Zeit um 1800 mit nicht immer schlüssigen Zugaben aus der Gegenwart. In Teilen gewöhnungsbedürftig.

Schwab entwickelt seine Inszenierung dabei weniger über äußerliche drastische Effekte. Vielmehr vermittelt er sie im Einklang mit der emotionsgeladenen Musik. Georg Menskes am Pult des Staatsorchesters entwickelt sie transparent und behutsam mit vielen Nuancen in der Dynamik, lässt Kantilenen ausschwingen und setzt scharf konturierte Akzente im Forte, die den Sängern auf der Bühne genügend Freiraum zur musikalischen Gestaltung geben. Sie alle spielen und singen ihre Rollen fesselnd. Yannick-Muriel Noah in der Titelrolle ist die selbstsichere Operndiva Tosca einerseits und die verzweifelt Liebende andererseits. Sie glänzt mit großer, tragender Stimme, die auch zu feinen Nuancierungen und vielen dynamischen Abstimmungen fähig ist. Ihre Lebensbeichte in der Arie „Vissi d’arte“ geht ans Herz. Sadismus und Tücke vermittelt mit eindrucksvoller Bühnenpräsenz Oleksandr Pushniak als Scarpia: stimmgewaltig mit fast brutal wirkenden Fortissimi und gefährlich leise in den Kantilenen. Strahlende Höhen erreicht fast mühelos mit einem Timbre ohne Härten Arthur Shen als Mario Cavaradossi. Musikalische Leistungen ohne Fehl und Tadel.

Von Hartmut Jakubowsky