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Kultur Glanzlichter der Naturfotografie ausgestellt
Weltgeschehen Kultur Glanzlichter der Naturfotografie ausgestellt
10:42 22.09.2017
In der Ausstellung „Glanzlichter“ zeigt das Landesmuseum Aufnahmen wie das Foto der Rubrik „Natur als Kunst“ von Marcio Cabral, Giuseppe Bonalis Bild unter dem Titel „Großes Hindernis“ oder das aus der Kategorie „Schlafende Tiere“ von Roie Galitz unter dem Titel „Träumen auf dem Eis“. Quelle: Marcio Cabral/Patrick Hofmann/Roie Galitz
Hannover

Rund 20.000 Einsendungen gab es für die 2017er Ausgabe, 87 davon haben Preise bekommen. Ob man nun Liebhaber von Naturfotografie ist oder nicht, die herausragende Qualität dieser Aufnahmen wird wohl niemand bestreiten, vor allem angesichts der Tatsache, dass der übermäßige Einsatz digitaler Nachbearbeitung bei diesem Wettbewerb verpönt ist. In ihrer geballten Wucht sind die Bilder fast zu schön – um einen von zwei Kritikpunkten zu nennen: Es fehlen ein wenig die Ecken und Kanten.

Traditionell gibt es mehrere Kategorien, bei jeder davon ein Siegerbild und mehrere „Highlight“-Auszeichnungen. Dazu kommt ein „All-Over-Winner“, der in diesem Jahr Marcio Cabral heißt, aus Brasilien kommt und im heimischen Emas Nationalpark die „Futtersuche mit Beleuchtung“ eingefangen hat, ein Foto, wie es nur alle Jubeljahre mal glückt: Ein Ameisenbär nähert sich einem Termitenhügel, auf dem lauter Larven von Glühwürmchen sitzen – eine fast surreale Szenerie.

Cabral hat auch den Hauptpreis in der Rubrik „Natur als Kunst“ abgeräumt: Die in einem US-Canyon aufgenommen farbigen Schichtungen, aus denen sich ein Menschenkopf herauszuschälen scheint, würden in der Tat so manchem Maler zur Ehre gereichen. Aber auch andere Bilder dieser Abteilung können beeindrucken – ist das, was der Südafrikaner Michael Viljoen so treffend „Deltabaum“ genannt hat, nun pflanzlich, ein Gewässer oder beides?

Einen prominenten Platz in der Aus-stellung nehmen Bären ein. Teils empört, teils peinlich berührt scheint ein aufrecht stehender Meister Petz auf einem Foto dreinzuschauen, das die Italienerin Roberta Pagani am russischen Kurilensee aufgenommen und „Wer hat meine Badehose?“ genannt hat – Lohn war der zusätzlich ausgelobte „Fritz-Pölking-Award“. Roie Galitz aus Israel gewann in der Rubrik „Schlafende Tiere“ mit dem Bild eines Eisbären, der sich in sehr menschlicher Pose zum Schlummer niedergelegt hat.

Ein Kauz, der aus einem Baumstumpf lugt; ein Marienkäfer, der sich seinen Weg zwischen Dornenzweigen sucht; kämpfende Elefanten oder ein perfekt getarnter Gecko, der von seiner Umgebung kaum zu unterscheiden ist: Hier gibt es jede Menge zu entdecken, und wer sich die Eindrücke mit nach Hause nehmen will, kann den Katalog für 20 Euro erwerben. Ach so, was der zweite Kritikpunkt ist? Die Rahmen umfangen nicht nur die Bilder, sondern auch Beschriftungen – das mindert die Wirkung der Fotos spürbar.

Von Jörg Worat