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Kultur Große Beethoven-Kunst mit Rudolf Buchbinder
Weltgeschehen Kultur Große Beethoven-Kunst mit Rudolf Buchbinder
13:40 28.11.2013
Musikalische Sternstunde: - Rudolf Buchbinder lies im - Großen Saal des NDR den - vierten Teil des Beethoven- - Sonaten-Zyklus erklingen. Quelle: Foto:
Hannover

Buchbinder ließ Beethoven zu Gehör kommen, ohne sich selbst als Interpret in den Vordergrund zu schieben. Bescheiden setzte er sich an den Flügel und ließ einfach den Fingern ihren Lauf. Diese aber liefen eben nicht mechanisch, sondern einem inneren Kompass folgend, der Buchbinder noch die letzten Windungen der beethovenschen Seele erkunden ließ. Buchbinder stellte dabei nicht die Musik aus, sondern ließ sie einfach geschehen. Er nahm die Zuhörer mit auf seiner Reise durch die Noten gewordenen Emotionen Beethovens. Brillieren ob des Brillierens willen, das dürfte etwas sein, was Buchbinder einfach nicht kennt. Was manch vermeintliche pianistische Entdeckung vorzugsweise osteuropäischer oder ostasiatischer Art auf den Podien der Musikwelt präsentiert, das wird zwar wegen ihrer größeren Oberflächenbrillanz oftmals mehr bejubelt als Buchbinder, aber Buchbinder hinterlässt viel tiefere Spuren in den Herzen seiner Zuhörer.

Das wahrhaft Spektakuläre dieses Abends war das Unspektakuläre. Buchbinder hat keine Ambitionen, diese Musik neu interpretieren zu wollen, er will sie nur gut zum Klingen bringen. Und das gelang ihm wunderbar. Bei Buchbinder konnte man einmal mehr erleben, welch schöne Früchte es tragen kann, wenn sich bei einem Künstler geistige Frische und Klarheit mit intellektueller Reife, innerer Furor und souveräne Gelassenheit vereinen. Wie Buchbinders transparentes Spiel die inneren Strukturen der beethovenschen Musik ausleuchtet, diese Musik dabei aber nicht in ein nüchternes Sezierbett legt, sondern geradezu aus der Perspektive eines Romantikers auffächert, das ist ganz große Kunst, auf deren Fortsetzung in Hannover am 4. Mai kommenden Jahres man sich jetzt schon freuen kann. Übrigens: Kurz vor dem Konzert hat sich Buchbinder bereit erklärt bei der Dresdner Staatskapelle einzuspringen. Dort wird er dieser Tage zwei Klavierkonzerte Beethovens nicht nur spielen, sondern auch dirigieren. Dass er auch das kann, das ist auf seinen CDs mit den Wiener Philharmonikern zu hören.

Von Reinald Hanke