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Kultur Grundstock für eigene Fantasien
Weltgeschehen Kultur Grundstock für eigene Fantasien
17:10 30.08.2018
Robert Packeiser wird einen Teil seines privaten Playmobil-Universums im Historischen Museum in Hannover zeigen. Quelle: Lutz Fischer
Hannover

Hier ist Martin Luther und hält eine Schriftrolle mit den berühmten Thesen in der Hand. Unweit davon tut sich ein riesiges Märchenpanorama auf, in dem allein Aschenputtel dreimal vertreten ist. Und wieder ein paar Ecken weiter stehen die Mitglieder der Kommune 1 nackt an der Wand. Wo man derart unterschiedliche Welten auf engstem Raum vereint finden kann? In einem hannoverschen Hinterhof-Gebäude: Dort nämlich hat Robert Packeiser sein ganz eigenes Universum geschaffen – aus Playmobil-Figuren. Und zumindest ein Teil davon ist von Sonntag, 2. September, bis zum 24. Februar 2019 im Historischem Museum zu sehen, vereint mit rund 70 Exponaten aus der hauseigenen Sammlung.

„Ich kenne das Museum sehr gut“, sagt Packeiser, „und habe eine Zusammenarbeit vorgeschlagen, weil ich mir vorstellen konnte, dass sich unsere Schwerpunkte ergänzen.“ Der 46-Jährige rannte damit offene Türen ein: „Es kam schnell zu einem wechselseitigen Austausch“, beschreibt es Ausstellungskurator Dr. Jan Willem Huntebrinker. „Wir haben Dioramen ausgesucht, die wir thematisch gut mit eigenen Ausstellungsstücken kombinieren konnten, und von unserer Seite auch Anregungen für die Gestaltung der Spielzeugwelten gegeben.“

Die wiederum dankbar aufgegriffen wurden, denn obwohl Robert Packeiser so ziemlich alles – „Ich schätze, mindestens 98 Prozent“ – von dem besitzt, was Playmobil jemals herausgebracht hat, ist er keineswegs nur ein Sammler. Der Lehrer für Kunst und Geschichte nutzt das Spielzeug vielmehr als Grundstock für eigene Fantasien, in denen er wesentliche Elemente seiner beiden Unterrichtsfächer zusammenführen kann.

„Wir sehen Luther, die meistverkaufte Sonderfigur von Playmobil“, nennt Packeiser ein Beispiel. „Aber wo ist der Ablasshandel? Wo sind die Bauernkriege?“ Und wenn der Hersteller entsprechende Sets nicht anbietet, stellt Packeiser sie eben her. Mit Um- und Eigenbauten.

Eines der sechs im Historischen Museum vertretenen Dioramen behandelt „Die Stadt im Mittelalter“, und unter den Händen des fachkundigen Bastlers entstehen durch originelle Kombinationen völlig neue Bauwerke: „Von Playmobil gibt es vielleicht zehn mittelalterliche Häuser. Ich habe aber 40.“ Packeiser leuchtet auch nicht ein, weshalb die dunklen Seiten dieser Epoche ausgeblendet werden sollen. Also funktioniert er eine Figur mittels Gesichtsmaske zum Pestdoktor um und flicht kleine Skelette aufs Rad.

Es ist recht eng im Hinterhof-Reich des Playmobil-Künstlers, und man muss schon mal aufpassen, nicht im Vorbeigehen die Guillotine im Panorama der Französischen Revolution zu streifen, die übrigens aus dem 3-D-Drucker stammt, oder auf eine heruntergefallene Miniatur-Schlange zu treten. Packeisers Herzenswunsch ist es denn auch, seine Sammlung in angemessenem Rahmen dauerhaft öffentlich präsentieren zu können: „Ich glaube, dass meine historischen Playmobil-Verdichtungen ein breites Publikum ansprechen können.“

Apropos breites Publikum: Zur Ausstellungseröffnung am 2. September gibt es im Historischen Museum von 12 bis 17 Uhr einen Familientag mit mannigfachen Aktionen.

Von Jörg Worat

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