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Kultur Gruppenausstellung „A Promise of Truth – Das zeitgenössische Porträt“ in Hannover eröffnet
Weltgeschehen Kultur Gruppenausstellung „A Promise of Truth – Das zeitgenössische Porträt“ in Hannover eröffnet
14:01 01.12.2016
Die Galerie Robert Drees in Hannover zeigt in einer Gruppenausstellung beispielsweise das Ölgemälde „Nico und Alex“ von Markus Fräger, Simone Haacks „Backpacker“ (kleines Bild oben) und die Fotografie „Twins“ von Danielle van Zadelhoff (kleines Bild unten). Quelle: Markus Fräger / Simone Haack / Danielle van Zadelhoff
Hannover

Fast durchweg handwerklich hervorragende Malerei sogar, in der selbst das klassische Auftragsporträt seinen Platz findet: Als Leihgaben sind ein Familienbild und die Darstellung eines Brüderpaars von Galeriekünstler Markus Fräger vertreten, der mit speziellen Lichtwirkungen und subtilem Farbauftrag inklusive Tropfeffekten eine sehr eigene Stimmung erzeugt.

Das schafft auf ganz andere Weise die Berlinerin Simone Haack. Ihre Kinderbilder haben keine realen Vorlagen, sondern sind der Fantasie entsprungen – zum Glück, denn irgendwas scheint mit diesem Nachwuchs ganz und gar nicht zu stimmen. Mit ihren eigenartigen Blicken und haarscharf entgleisten Gesichtszügen hätten die Kids vielmehr beste Chancen auf Hauptrollen in Horrorfilmen; obwohl diese Darstellungen nicht wirklich plakativ daherkommen, scheinen sie genau das Gegenteil von kindlicher Unschuld zu dokumentieren.

Wieder einen anderen Weg wählt der ebenfalls in Berlin wirkende Rocco Hettwer. Er fängt seine Modelle gern bei nicht genau definierten Aktionen ein. Warum macht da jemand einen Handstand? Was genau ist der Klumpen, in dem ein eigentlich für schmutzige Tätigkeiten zu fein gekleideter Mann herummatscht? Hettwer kann es aber auch stiller: Ein Mädchen, das mit leicht skeptischem Blick vor einem knallroten Hintergrund posiert, hinterlässt sogar einen besonders starken Eindruck.

Die teuersten Arbeiten in der Ausstellung stammen vom Österreicher Bertram Hasenauer, allerdings kann man darüber diskutieren, ob es auch die besten sind. Fraglos beeindruckt die Technik des Arylfarbenauftrags bei diesen überwiegend androgynen Gestalten, die ganz oder teilweise zu verschwinden scheinen, jedoch besteht die Gefahr, dass sich der Hauptreiz der Bilder in eben dieser formalen Seite erschöpft.

Oft genug hat es Malereien gegeben, die wie Fotos aussahen, bei Danielle van Zadelhoff ist es genau anders herum. Es verwundert kein bisschen zu erfahren, dass die Künstlerin aus den Niederlanden stammt, scheint sie doch die Traditionen ihres Heimatlandes voll im Blut zu haben – diese klaren und zugleich allerfeinsten Hell-Dunkel-Abstufungen transportieren Merkmale des Barock direkt ins Hier und Jetzt.

Von Jörg Worat