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Kultur Gruppenschau „Wand dawn“: Von apart bis irritierend
Weltgeschehen Kultur Gruppenschau „Wand dawn“: Von apart bis irritierend
13:45 24.03.2017
Hannover

Den vorderen kann man je nach Geschmack als facettenreich oder diffus bezeichnen. Reizvoll rätselhaft wirkt zumindest teilweise die Scan-Serie „Spektakel“ von Britta Ebermann mit ihren Darstellungen von einer Blume oder Würfeln auf geschecktem Tuch. Interessante Raumirritationen erzeugt Lisa Busche, wenn sie Sprühfarbe und Klebeband so einsetzt, dass nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, was sich auf der Wand befindet und was davor. Die Drahtfundstücke von derselben Künstlerin dagegen sind nicht mehr als ebensolche – da mangelt es an der Eröffnung zusätzlicher Ebenen. Wenig tiefschürfend, wenngleich vielleicht von erfrischender Dreistigkeit, sind Rahel Bruns’ „driving drawings“, Zeichnungen und Notizen, die beim Fahren entstehen: „Stau und sooo müde“ steht da etwa oder „ohne Licht ohne Scheinwerfer“. Gilta Jansen führt in einer aparten Installation unter anderem einen zur Hälfte goldlackierten Tisch und mit Kristallen besetzte Zweige zusammen.

Sie und Ebermann bilden zudem das Künstlerinnenduo „Violett Park“, das hinter der besagten Wand Sonderbares präsentiert: Als wäre die nachweihnachtliche Entsorgung ausgeblieben, finden sich hier leibhaftige Nadelbäume, und es gibt Dia- und Filmprojektionen, unter denen die Aufnahmen von Kindern, die sich spielerisch vor Naturkulissen bewegen, den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen.

Auch hier gilt allerdings, dass kaum so etwas wie ein großes Ganzes entsteht – da nützt auch das Wissen um die einzige klar definierbare Gemeinsamkeit in dieser Schau wenig, die darin besteht, dass alle vier Damen einst Meisterschülerinnen der HBK Braunschweig gewesen sind. Vielleicht wirkt deswegen Ebermanns Vitrinen-Installation im Erdgeschoss besonders atmosphärisch: Die Ansammlung von Erde, Schneckenhäusern, Federn, Glasscherben und mancherlei mehr ist zwar nicht völlig frei von Kitsch, aber nur sie steht ohne Reibungsverluste für sich.

Von Jörg Worat