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Kultur Güttler veranstaltet zum letzten Mal die Musikwoche Hitzacker
Weltgeschehen Kultur Güttler veranstaltet zum letzten Mal die Musikwoche Hitzacker
19:17 04.03.2015
Der Dresdner Dirigent und Trompeter Ludwig Güttler gibt - den Stab weiter: Er lädt zum letzten Mal - zur Musikwoche von Hitzacker ein. Quelle: Juliane Njankouo
Hitzacker

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Festival fast 30 Jahre von einem einzigen künstlerischen Leiter verantwortet wird und dieser dann ein Jahr vor dem Jubiläum den Stab weitergibt an einen Jüngeren. So wird es in den nächsten Tagen geschehen, wenn Ludwig Güttler vom 6. bis zum 15. März das letzte Mal zu „seiner“ Musikwoche Hitzacker einlädt.

Er wird mit vielen Musikern Konzerte unter dem Motto „… das Herz in Bewegung setzen“ geben und noch ein letztes Mal in Hitzacker das Programm der Musikwoche prägen, um dann dem Oboisten Albrecht Mayer die künstlerische Leitung zu übertragen.

Es wird noch einmal ein Festival sein, in dem die renommierten Ensembles Güttlers, allen voran die Virtuosi Saxoniae, alleine sechs Konzerte geben werden. Das Wichtigste wird dabei sicher das bereits ausverkaufte Abschlusskonzert am 15. März sein, wenn Güttler erstmals die komplette h-Moll-Messe von Bach dirigieren wird. „Wissen Sie,“ so Güttler, „die Musik soll unbedingt das letzte Wort haben. Das ist mir wichtig. Und dann musste es auch genau dieses Werk sein, das ich mir aufgespart habe für einen besonderen Anlass.“

Am vorletzten Festivaltag wird es ein „Verabschiedungskonzert“ geben, in dem neben der Musik einige Reden zu erwarten sind. Es gibt viel zu sagen nach 29 Jahren Kulturarbeit in der Provinz, an die sich Güttler mit zwiespältigen Gefühlen erinnert.

Er schlägt immer wieder einen begeisterten Ton an, wenn er davon redet mit welch großem ehrenamtlichen Engagement viele Menschen in Hitzacker für dieses Festival gearbeitet haben. Dem Einwand, dass man bis heute den Eindruck hat, dass die Einheimischen sehr schleppend in der Wahrnehmung dessen sind, was bei ihnen da kulturell geschehen ist, blickt er mit Gelassenheit entgegen. Er hat andernorts, nicht zuletzt in der damaligen DDR, ganz anderes erlebt. Viel mehr machte ihm in Hitzacker zu schaffen, dass man ihm seitens des Landes immer wieder Steine in den Weg geworfen hat, dass es zunehmend schwieriger und manchmal gar nicht möglich war für ihn, Geld vom Land für dieses für die Infrastruktur dieser Gegend wichtige Festival zu bekommen.

„Es war extrem aufreibend, ständig gegen geschlossene Ohren in abgeschotteten Räumen in Hannover zu arbeiten. Das war letztlich auch ein Grund, warum ich mich irgendwann fragen musste, ob ich meine Zeit nicht doch effektiver für andere Aktivitäten einsetzen sollte“, sagt Güttler. „Ich werde weiterhin um die hundert Konzerte im Jahr spielen, aber mich wieder mehr um die Ausgrabungen historischen Repertoires kümmern. Das kostet viel Zeit. Ich werde meine Schwerpunkte geringfügig verschieben und hoffen, dass mein Nachfolger bessere Karten in Hannover hat.“ Sein wichtigstes Ziel in Hitzacker sei es nämlich, dass dieses Festival auch nach ihm erfolgreich bleibe. „Insofern versuche ich, durch meinen Rückzug mein Erbe zu sichern.“

Nachfolger Albrecht Mayer hat in Sachen Festivalleitung keine Referenzen vorzuweisen, aber das hatte Güttler einstens auch nicht. Vielleicht entwickelt sich ja die Musikwoche Hitzacker in ungeahnter Weise. In gut einem Jahr wird man mehr wissen. Mehr Informationen auf www.musikwoche-hitzacker.de.

Von Reinald Hanke