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Kultur Hamburger Elbphilharmonie: Bruckners Fünfte ausgesprochen transparent
Weltgeschehen Kultur Hamburger Elbphilharmonie: Bruckners Fünfte ausgesprochen transparent
17:59 13.06.2017
Hamburg

Bereits vor fünf Jahren hat er dieses Stück in Hamburg dirigiert. Und es ist schon erstaunlich, dass selbst über diese relativ kurze Zeit von fünf Jahren kleine Modifikationen in der Musizierweise erkennbar werden. Spielt einem da die Erinnerung vielleicht doch einen Streich? Oder ist es der neue Saalklang, der andere Eindrücke hinterlässt als der Klang der Laeiszhalle?

Blomstedt lässt die Musik Bruckners wie selbstverständlich strömen. Er stellt die Härten der Klänge einfach in den Raum, aber er lässt auch die Melodien ausschwingen. Aber was sich vor fünf Jahren in der Laeiszhalle zu einem butterweichen Klang, speziell der Blechbläser, verband, das bleibt dieses Mal akustisch eher getrennt und ausgesprochen transparent. Man hört selbst in den lautesten Passagen alles. Aber die Trompeten klingen dieses Mal oft grell. Und überhaupt erscheinen die Blechbläser häufiger relativ scharf, manchmal gar aggressiv im Ton. Das stört den Gesamteindruck kaum, aber eben doch so stark, dass das selbst 24 Stunden nach der Aufführung noch präsent ist. Es bleibt anzunehmen, dass dieser zu höhenbetonte Bläserklang eher dem Raum als dem Dirigenten oder Orchester zuzuordnen ist.

Die dank der besonderen Akustik der Elbphilharmonie fast unglaubliche klangliche Durchhörbarkeit fasziniert zum einen, weil man so ganz besonders gut die Architektur dieser Musik wahrnehmen kann. Zum anderen aber bringt sie auch Nachteiliges mit sich. Das in sich Ruhende dieser Musik mit ihrer Tendenz zum Mystischen und zur Flächigkeit, all das tritt in den Hintergrund. Klarer wird das Zerrissene in der Faktur des Stückes, die manchmal den Eindruck entstehen lässt, dass hier nicht ein integrales Stück aus vielen Einzelteilen, die in Beziehung zueinander stehen, komponiert wurde, sondern mehrere Stücke, die ineinander verschachtelt sind. Grandios gelangen die Steigerungen, speziell im Schlusssatz. Das Orchester spielte auf höchstem Niveau, aber es blieb ein wenig die Faszination aus, die Blomstedts Bruckner-Interpretationen meist ausüben. Zu Recht sehr großer Beifall nach einem langen Moment wunderbarer Stille.

Von Reinald Hanke