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Kultur Handwerksform Hannover zeigt Filigranes mit dem Fleischklopfer behauen
Weltgeschehen Kultur Handwerksform Hannover zeigt Filigranes mit dem Fleischklopfer behauen
10:46 22.09.2016
Hannover

Wie hier üblich, ist die Grenze zwischen angewandter und freier Kunst fließend. Und an Überraschungen mangelt es nicht, zumal man mit dem Hammer grundsätzlich wohl eher grobes Arbeiten assoziiert, tatsächlich aber unter den 35 Positionen so gut wie gar nichts Brachiales vertreten ist.

Selbst wenn, wie bei den Keramiken von Katharina Böttcher, der Fleischklopfer zum Einsatz kommt: Zwar entsteht dabei das unverkennbare Oberflächenmuster, doch wirken die Vasen und Schalen durchaus subtil. Andere Arbeiten sind sogar äußerst filigran, zum Beispiel Gefäße und Schmuck von Uli Strempel, geschweißt und gestrickt (!) aus Silber und Kupfer.

Höchst originell ist das rote und weiße Kunststoffgeschirr von René Martin mit seinen ungewöhnlichen Formen und Ausbeulungen. Lina Peetz hat Broschen aus Aluminium und Silber entworfen, die trotz ihrer Größe leicht wirken – sie können interessante Risse aufweisen und erinnern von der Form her ein wenig an Bovist-Pilze. Ein Hingucker sind die gewaltigen Sandstein-Arbeiten von Uwe Spiekermann, sei es in Wogenform oder als Möbiusschleife.

Auffällig auch zwei Gruppen von montierten Vasen: Jan Hebach strukturiert dabei Silber mit einem selbst angefertigten Hammer, während Beate Leonards gern mit Tombak arbeitet, einer stark kupferhaltigen Messinglegierung. Felicia Mülbaiers irisierende „Corpora“, die aus geschmiedeter Stahlwolle bestehen, wirken trotz der einen oder anderen Pore erstaunlich dicht.

Ergänzt wird die faszinierende Schau durch eine Reihe von Stücken aus dem von Georg Peters betriebenen hannoverschen Hammermuseum. Eine beeindruckende Sammlung, die ebenso einen 16-Kilo-Holzhammer umfasst wie einen verzierten Ehrenhammer oder einen Sensendengler. Zu sehen sind auch Zucker-, Arzt- oder Bootsbauhämmer. Und eine fraglos höchst praktische Erfindung ist der „Feierabendhammer“: Wer genug damit geklopft hat, findet am anderen Ende des Werkzeugs einen Flaschenöffner.

Jörg Worat

Von Jörg Worat