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Kultur Heike Schlobinski zeigt Heidschnucke als charaktervolles Individuum im Herdenalltag
Weltgeschehen Kultur Heike Schlobinski zeigt Heidschnucke als charaktervolles Individuum im Herdenalltag
12:02 28.07.2014
Heike Schlobinski mit ihrem Ölbild „Vor der Schur“. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Müden (Aller)

MÜDEN. Zwölf Monate lang begleitete die Künstlerin Heike Schlobinski eine 600-köpfige Heidschnuckenherde in der Schmarbecker Heide und spürte mit verschiedenen künstlerischen Ausdrucksmitteln die Eigenheiten der Tiere auf. Dabei ist es ihr auf eindrucksvolle Weise gelungen, die Charakterzüge der einzelnen Individuen, aber auch deren Eigenarten als Herdentiere als buchstäblich rhythmisch bewegtes Gesamtbild zu ergründen.

Das Ergebnis ihrer als „Schnuckenprojekt“ bezeichneten stillen meditativen Reise durch den Schnuckenalltag ist seit Sonntag in einer auf drei Etagen verteilten Ausstellung in der Historischen Müdener Wassermühle zu sehen und zu hören: 28 Zeichnungen und zwölf Ölgemälde, 220 Fotos, die – beginnend mit dem Leben der Lämmer – als 30-minütige Diashow präsentiert werden, sowie eine begleitende Klangcollage aus blökenden Schnucken zwischen Huftrappeln und Fressgeräuschen im übers Jahr verteilten alltäglichen Herdenleben mit all seinen Ritualen, mal draußen, mal im Stall, von der Geburt über die regelmäßige Schur bis zum Tod. Die Künstlerin rückte den Tieren dabei in unterschiedlichsten Situationen oft sehr dicht auf den Leib und fing aus nächster Nähe momentane Haltungen und Eindrücke mit der Kamera ein. Die Fotos dienten ihr später als Ausgangspunkt für ihre malerischen und zugleich haptischen Schnuckenporträts. Darauf schauen dem Betrachter nun die Individuen mal ängstlich, mal zaghaft, mal herausfordernd, mal gleichgültig entgegen.

Heike Schlobinski macht „einen gedanklichen Hakenschlag, abgekoppelt von der Traditions-linie klassischer Heidemalerei“ – wie die Celler Kunsthistorikerin Daphne Mattner bei der Einführung in die Ausstellung feststellte – und weit entfernt von pittoresker Heideblüten- und Schönwetter-Idylle. Stattdessen durchbricht Heike Schlobinski die Distanz zwischen Betrachter und Objekt, „sie dringt in die geschlossene Struktur der Herde ein und löst das einzelne Schaf aus der Anonymität der Masse“, erläuterte Daphne Mattner die Vorgehensweise der Künstlerin, deren Gemälde sie als Präzisionsarbeiten beschrieb, in denen sie „raffiniert und dezent“ ihre künstlerischen Freiräume genutzt habe: Heike Schlobinski sei es bei ihrem Schnuckenprojekt weder um romantische Perfektion noch um dokumentarischen Zwang gegangen, sondern vornehmlich um „die Erfassung des Tieres als charaktervolles Individuum“. Dabei habe sie „eine Dynamik entwickelt, die nicht planbar war“. Im Ergebnis aber wird diese Dynamik nun umso deutlicher sichtbar und hörbar.

Die Ausstellung in der Historischen Wassermühle in Müden, Unterlüßer Straße 5, ist bis zum 3. September zu den Öffnungszeiten der dortigen Touristinformation zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl