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Kultur Hilary Hahn betört in Hannover mit ihrer Musik
Weltgeschehen Kultur Hilary Hahn betört in Hannover mit ihrer Musik
16:41 20.05.2014
Hilary - Hahn Quelle: Susanne Harbott
Hannover

Auch Klassikmusiker haben gern Abwechslung. Wenige jedoch sind so flexibel wie Hilary Hahn und Cory Smythe bei ihrer aktuellen Tour: Die Stargeigerin und ihr Piano-Partner legten die Reihenfolge der Programmpunkte an jedem Abend neu fest. Nicht einmal die Stückauswahl blieb konstant, denn zwar stand fest, dass eine Mozart-Sonate dabei sein sollte – doch welche, war der spontanen Entscheidung vorbehalten. Rund 1100 Besucher wurden nicht nur deshalb Zeugen eines besonderen Konzerts.So ist man kaum gewohnt, den Ablauf vom Interpreten selbst moderiert zu bekommen. Über Mikro erläuterte Hilary Hahn Inhalte und Zusammenhänge, wirkte dabei charmant, uneitel und mit ihren 34 Jahren immer noch sehr mädchenhaft. Obwohl die US-Amerikanerin die deutsche Sprache bestens beherrscht, wechselte sie dann doch ins Englische.Beide Konzertteile sollten diesmal mit den Neutönern beginnen – Hahn hat sich von zeitgenössischen Komponisten zugabenartige Nummern auf den Leib schreiben lassen. Richard Barretts „Shade“ erwies sich zum Auftakt als ein etwas anstrengendes Klanggebilde, die „Three Sighs“ von Antón García Abril wirkten nach der Pause mit melodiöserer Prägung und einem Hauch jazziger Attitüde leichter zugänglich.Die Violinistin hat einige bekannte Stärken. Sie wirkt stets sehr sicher, und so natürlich, wie sie spricht, spielt sie auch: Das klingt wunderbar leicht und nachvollziehbar, was vielleicht bei Georg Philipp Telemanns Solo-Fantasie e-Moll noch weniger überraschend daherkommt – dem unbedarfteren Klassikhörer jedoch die Fantasie für Geige mit Klavierbegleitung von Arnold Schönberg ebenso schmackhaft zu machen, ist schon eine spezielle Fähigkeit.Als Mozart-Sonate des Abends wurde die in C-Dur, KV 303, ausgewählt, und dieser Programmpunkt geriet etwas flacher. Das lag nicht zuletzt daran, dass Begleiter Cory Smythe sich als ausgewiesener Experte für neuere Klänge in den entsprechenden Gefilden offenbar mehr zu Hause fühlt – beim Mozart agierte er jedenfalls spürbar undifferenzierter, und die ansonsten zuweilen traumwandlerisch präzise Kommunikation mit der Partnerin hakte nun mehr als einmal. Die gleichen Phänomene waren auch bei Franz Schuberts Fantasie „Sei mir gegrüßt“ zu beobachten, die trotzdem zum Höhepunkt wurde, weil Hahns reichhaltige Klangfarbenmalerei nachgerade betören konnte und in den besten Momenten Weltklasse-Niveau erreichte.Lauter Jubel, vereinzelt stehende Ovationen, und als Betthupferl gab es zwei Uraufführungen: das recht fetzige „Catch“ von Aaron Severini und das eher ruhige „Pariwhero“ aus der Feder des Neuseeländers Philip Brownlee.

Von Jörg Worat