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Kultur Hörenswerter Auftakt zu „Haydn mal vier“
Weltgeschehen Kultur Hörenswerter Auftakt zu „Haydn mal vier“
17:02 21.09.2016
Hannover

Eine unbekanntere Haydn-Sinfonie steht am 20. November auf dem Programm, die Nummer 70, dazu dann das vielleicht bekannteste Violinkonzert von Mozart, dasjenige in A-Dur, und ein Frühwerk von Mendelssohn. Generell vereinen die Programme dieses Orchesters immer ausgesprochen populäre mit sehr wenig bekannten Stücken, was wohl auch einen Teil des Erfolgs dieser Reihe ausmacht.

Zurück zur Haydn-Pflege der Klassischen Philharmonie unter Heribert Beissel. Wie dieses Orchester diese Musik spielt, das hat Format. Unter ihrem Gründer und Leiter Beissel spielte das Orchester im NDR-Funkhaus die 92. Sinfonie pointiert, mit Sinn für nie aufdringliche Effekte einerseits, mit Mut zum schlichten Ausbreiten einer Stimmung ohne übertreibende Ausdrucks­tümelei andererseits. Der so melancholische langsame Satz kam so ganz besonders gut zur Wirkung. Und außerdem: Das Orchester spielt in allen Gruppen ausgesprochen präzise. Aber, und das ist dann die andere Seite dieses Konzerterlebnisses: Dem Orchester fehlt es merklich an Klangqualität. So technisch gekonnt die Streicher ihre Parts in weiten Teilen spielen, ihr Klang in der Höhe ist zu spitz, unflexibel und farbarm. Und das ist sehr schade, zumal Ähnliches auch für die Bläser gilt. Auch da wird auf einem sehr hörenswerten Niveau musiziert, aber eine klangfarbliche Abtönung der einzelnen Instrumente untereinander findet kaum statt. Da ist dann doch manches zu undifferenziert.

Trotz dieser Einwände ist von einem hörenswerten Konzert zu berichten, in dem der Haydn keineswegs den einzigen Höhepunkt des Abends darstellte. Auch die frühe C-Dur-Sinfonie von Mozart KV 338 und die drei Stücke aus Glucks „Orpheus und Eurydike“ gefielen. Beissel hat ein gutes Gespür für stimmige Tempi. Und die richtige Balance zwischen Spannung und Entspannung findet er auch.

Nicht ganz so überzeugend gelang auf Seiten des Orchesters das Oboenkonzert in F von Franz Krommer. Da begnügte man sich doch ein wenig zu bescheiden mit dezenter Begleitung, die mehr dahingespielt als gestaltet war. Juri Schmahl, der Solo-Oboist von der Staatsoper, erwies sich als Könner seines Instrumentes, der mit wunderbar weichem Ton und souveräner Technik sehr gefallen konnte.

Von Reinald Hanke