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Kultur Hohe Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt
Weltgeschehen Kultur Hohe Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt
12:35 19.12.2013
Sol Gabetta bezaubert mit ihrem - Erscheinungsbild und - ihrem musikalischen Können. Quelle: Uwe Arens
Hannover

Sie hatte ein Barock-Programm und familiäre Unterstützung in Gestalt ihres Bruders Andrés mitgebracht, der als Leiter der hochkarätigen Ensembles „Cappella Gabetta“ beachtliche Fähigkeiten bewies, wenngleich überwiegend im technischen Bereich. Negativ fiel dies vor allem beim Concerto grosso „La Folia“ von Francesco Geminiani auf, einer Aneinanderreihung von höllisch virtuosen Passagen, die indes kaum einen musikalischen Spannungsbogen ergaben – als würde ein Tänzer nichts anderes zeigen als immer schnellere Pirouetten und immer höhere Sprünge. Zudem wirkte dieser Beitrag sehr lang, von daher besonders lästig, als sich der Abend durch das wiederholte Nachstimmen – wie es bei historischen Instrumenten zwangsläufig geschehen muss – ohnehin ziemlich zog.

Ohne den Star des Abends waren ferner das Concerto grosso Nr. 8 von Arcangelo Corelli in einer schön runden Interpretation und Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3 in einer vielleicht fetzigen, aber auch recht verhuschten Fassung zu hören.

Sol Gabetta vermag schon durch Erscheinungsbild und Auftreten zu bezaubern, scheint sie doch die Musik stets auch körperlich mitzutragen. Sie hatte Exotisches im Angebot: Die Komponisten Giovanni Benedetto Platti und Fortunato Chellerie dürften wohl eher eingeweihten Zirkeln bekannt sein. Ihre Stücke waren angenehm zu hören und wären noch angenehmer gewesen, wenn Sol Gabetta etwas mehr Gebrauch von ihrem berühmt singenden Ton gemacht hätte, der diesmal bei den heftigeren Passagen oft einer gewissen Rauheit wich und im Extremfall fast kratzig wurde.

Ein besonderes Schmankerl boten die Gabettas mit ihrer Bearbeitung des Concertos für zwei Mandolinen von Antonio Vivaldi, vor allem mit dem in purem Pizzicato gespielten Mittelsatz. Vivaldi war dann auch bei den beiden Zugaben angesagt, die ein inzwischen doch reichlich enthusiasmiertes Publikum herausklatschte. Ende eines beileibe nicht schlechten Konzerts, das aber den hohen Erwartungen letztlich nicht ganz gerecht wurde.

Von Jörg Worat