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Kultur „Holländer“-Gala an der Staatsoper Hannover: musikalisch und sängerisch großartig, szenisch indiskutabel
Weltgeschehen Kultur „Holländer“-Gala an der Staatsoper Hannover: musikalisch und sängerisch großartig, szenisch indiskutabel
16:11 22.06.2017
Hannover

Während an Häusern, die über Jahrzehnte gute Produktionen erhalten, anhand von Wiederaufnahmen über die Sinnhaftigkeit von Remakes oder Produktionstreue diskutiert wird – man denke an den 60 Jahre alten „Parsifal“ in Mannheim oder das geplante „Tristan“-Remake eine Bayreuther Inszenierung von Heiner Müller in Linz – quält man in Hannover das Publikum mit einer neuen Produktion, deren Ablaufdatum bereits jetzt vorhersehbar sein dürfte. Die Gala-Besetzung war höchstens zu zwei Drittel ausverkauft. Nächste Saison sind weitere Vorstellungen geplant. Man darf gespannt sein, wie diese besucht werden.

Bernd Mottl hat sich durch Friedrich Eggert ein Bühnenbild bauen lassen, das wie die oberen Etagen eines gestrandeten Luxusliners aussieht, nach den Aussagen im Programmheft aber eine Einkaufsmall sein soll. Aha. Damit beginn schon das Dilemma: Wenn man sich erst im Programm erklären lassen muss, was das Bühnenbild darstellen und bedeuten soll und was uns der Regisseur mit seiner Inszenierung sagen will, dann ist was faul, sollte sich das doch eigentlich über die Aufführung vermitteln. Nichts davon hier.

Aber es gab ja den hannoverschen Chefdirigenten Ivan Repusic und seine enorm guten Sänger dieser Produktion. Repusic wird zwar gelegentlich mal zu laut, aber insgesamt gelingt ihm ein Dirigat auf sehr hohem Niveau, in dem er fast alles gut koordiniert und vor allem eine innere Spannung hält, die einen doch motiviert trotz der Erbärmlichkeit der Inszenierung nicht vorzeitig zu gehen. Und das Orchester als Ganzes übertrifft sich, abgesehen von ein paar Unkonzentriertheiten in den Blechbläsern, selbst.

Ganz besonders bemerkenswert war aber, dass diese Opern-Gala zwar mit zwei Gästen veredelt wurde, aber das eigene Ensemble so gut wirkte, dass ein Außenstehender kaum gemerkt haben dürfte, wer hier Stargast war. Das spricht für das hannoversche Ensemble, aber gegen das Besetzungsbüro. Thomas J. Mayers Gast-Holländer und auch Camilla Nylunds Gast-Senta gerieten zwar überzeugend, aber kein bisschen mehr. Robert Künzlis Singen und Agieren als Erik ging mehr unter die Haut. Und Tobias Schabel als Daland erwies sich musikalisch wie szenisch als Idealbesetzung. Er beglaubigte seine Figur im szenischen Spiel so überzeugend, dass es die reinste Wonne war zuzuhören und zuzuschauen. Musikalisch und sängerisch ein starker Abend.

Von Reinald Hanke