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Kultur "Hool"-Premiere in Hannover: Wenig Gewalt-Action, viel derbe Sprache
Weltgeschehen Kultur "Hool"-Premiere in Hannover: Wenig Gewalt-Action, viel derbe Sprache
15:29 26.09.2017
Das Stück "Hool" nach dem Roman von Philipp Winkler hat in Hannover Premiere gefeiert. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Das passt schon von daher, als die Hauptfigur Heiko besessen von Hannover 96 ist. Dies verdeutlicht er vor allem dadurch, dass er sich mit Anhängern anderer Vereine wüste Schlägereien liefert. Gleichwohl ist das Buch keine Fußball-Geschichte, jedenfalls nicht nur – es geht auf einer grundsätzlicheren Ebene um Sinnsuche in der heutigen Gesellschaft.

Intendant Lars-Ole Walburg hat selbst inszeniert und einmal mehr bewiesen, wie souverän er die theatralen Mittel beherrscht. Walburg weiß sehr genau, was man auf der Bühne machen kann und vor allem auch, was man zu unterlassen hat – die Brutalität mancher Szenen offen auszuagieren, wäre ebenso peinlich wie wirkungslos. Viel klüger ist für solche Passagen der Erzählmodus, durch den die Bilder im Kopf des Betrachters/Zuhörers entstehen.

Die große Gewalt-Action findet daher nicht statt, wenn auch punktuell heftig mit Bier herumgespritzt wird. Bühnenbildner Robert Schweer hat einen Drehmechanismus ins Schauspielhaus gesetzt, der mal ein Tonstudio zeigt und mal ein Gestänge, in dem es sich munter herumturnen lässt. Fünf Akteure tauschen ständig Rollen und Klamotten, zuweilen sind sie alle Heiko, und es gibt chorische Passagen. Nicola Fritzen, Philippe Goos, Carolin Haupt, Daniel Nerlich und Sebastian Weiss haben sämtlichst ihre besonders intensiven Momente, die meisten davon Goos.

Es gibt bizarre Szenen, anrührende und durchaus auch komische. Es gibt zudem eine Entwicklung, die nachdenklich stimmt, will doch Heiko partout nicht begreifen, warum die Kampfgenossen nach und nach zu ahnen beginnen, dass es im Leben mehr geben könnte, als sich mit der Behauptung, Fan zu sein, gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.

Alles gut? Nicht alles. So hat Walburg trotz seines guten Gefühls für Timing in den ersten Teil die eine oder andere Girlande eingebaut, so dass man sich nach 90 Minuten den Abpfiff herbeiwünschen mag. Die Verlängerung auf rund zwei Stunden klappt dann aber doch, weil die Sache irgendwann durchgehend den richtigen Zug bekommt. Störender ist da auf Dauer die Sprache, nicht weil sie oft so derb ist, sondern weil diese Derbheit aufgesetzt wirken kann – das aber wäre eher dem Autor anzulasten als dem Theater.

Von Jörg Worat