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Kultur Im unbekannten Gelände der Fantasie
Weltgeschehen Kultur Im unbekannten Gelände der Fantasie
12:18 31.07.2014
In der Ausstellung „Farb-Bild-Räume“ ist von Gotthard Graubner das 4-teilige auf Leinwand über Synthetikwatte auf Leinwand gefertigte Bild „Pietra Dura I-IV“ aus dem Jahr 1998 zu sehen. Quelle: Peter Gauditz
Hannover

Eine Gesellschaft, die sich bei ihrer Kunstbetrachtung vornehmlich auf den Verstand verlässt, das war nie sein Ding, denn Gotthard Graubner (1930–2013) schickt uns mit seinem Lebenswerk ganz bewusst in unbekannte Gelände der Fantasie. Er ist einer der kompromisslosesten deutschen Vertreter der Farbraummalerei. Doch was, so fragen wir, macht die Beschäftigung mit seinem Werk, die sprachliche Annäherung, so schwierig?

Gelegenheit zu einer Begegnung mit Graubner und Künstlern verwandter Handschriften wie Imi Knoebel (*1940) und Johannes Geccelli (1925-2011), ermöglicht jetzt eine Auswahl der hauseigenen Kunstsammlung der NORD/LB, Hannover.

Und da stehen wir vor dem großen Farbbildkissen „Phönix“ von 2002, auf dem Gotthard Graubner mit einem faszinierenden Orangerot Farbklänge zaubert, die beim Betrachter sofort musikalische Klänge assoziieren. Noch weitere Beispiele sind zu sehen, wie etwa die Serie „Pietra Dura“ von 1998, oder ganz anders: Papierarbeiten mit den fast monochromen, aufgetupften Farben.

Der Maler Imi Knoebel betätigt im Werk seine Vorliebe für eine Auseinandersetzung mit der Verbindung von Zwei- und Dreidimensionalität, die er durch Schichtungen und Staffelungen zu überzeugenden Kompositionen gestaltet. Knoebel verfolgt konsequent sein Prinzip autonomer Malgründe mit Farbschichten, im gewissen Sinne Arbeiten, die sich auf dem schmalen Grat zwischen Malerei und Skulptur bewegen.

Und Johannes Geccelli legt seine Farbräume an, ähnlich wie Graubner, jedoch in vertikalen Pinselbahnen. Die monochrom wirkenden Bilder entfalten jedoch aus der Nähe betrachtet ihr Eigenleben, das einem feinen Mosaik gleicht, wobei sich das Bildzentrum jeweils durch interessantes Bildlicht und auch Raumtiefe auszeichnet.

Diese Ausstellung fordert auf zu einem „Gespräch mit dem Nichts“. Ein mir heute unbekannter Maler schrieb dazu: „Bei dieser Kunst sollte man nicht nach Zeichen suchen, die etwas „bedeuten“ könnten, sondern überlasse sich ganz dem Eigenleben, das hier Farben und Formen annehmen, denn gegenstandslose Bilder können eine ebenso lösende und befreiende Wirkung haben wie gute Musik“.

Die Ausstellung „Farb-Bild-Räume“ ist noch bis zum 31. August in der NORD/LB art gallery, Friedrichswall 10, in Hannover zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Klaus Zimmer