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Kultur Ins Surreale getrieben
Weltgeschehen Kultur Ins Surreale getrieben
18:44 15.09.2013
Braunschweig

„Apathisch für Anfänger“, das im Staatstheater Braunschweig gezeigt wird, ist ein Stück Jonas Hassen Khemiris, eines schwedischen Autors tunesischer Abstammung namens, der sich in den letzten Jahren schon mehrfach ins Gespräch gebracht hat.

Vor gut einem Jahrzehnt erkrankten in Schweden auffallend viele Kinder von Asylsuchenden an einem seltsamen „Apathie-Syndrom“. Die Abschiebung eines solchen apathischen Mädchens setzte in dem skandinavischen Staat eine heftige Diskussion darüber in Gang, was hinter dieser Apathie stehen könnte.

Ausgehend von diesem Geschehen hat Khemiri ein Stück geschrieben, das hinterfragt, wie es überhaupt zu solchen Erkrankungen kommen konnte. Und er verallgemeinert sein Fragen hin zur Frage an die Gesellschaft, wie diese mit dem Leid anderer umgeht und wie durch die Schwarz-Weiß-Darstellung tagesaktueller Ereignisse in den Medien die Menschen manipuliert werden. Das macht Khemiri, indem in hoch artifizieller Weise Szenen wie bei einer Revue aneinanderklebt, dabei die einzelnen Szenen in höchstem Maße unrealistisch gestaltet, eher in die Groteske treibt oder ins Surreale.

Die junge Regisseurin Mina Salehpur treibt der Vorlage den letzten Rest an Realismus aus – mit der Folge, dass so manch Szene nun wirklich nicht mehr verständlich ist. Aber: Es gelingt ihr, das fünfköpfige Ensemble zu Höchstleistungen zu treiben. Sehenswert.

Reinald Hanke

Von Reinald Hanke