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Kultur Interpreten mit hinreichendem Sinn für Detailarbeit
Weltgeschehen Kultur Interpreten mit hinreichendem Sinn für Detailarbeit
12:36 15.12.2017
Sylvain Cambreling
Hannover

Wobei Karol Szymanowskis „Stabat Mater“ streckenweise schon in eine Art Paralleluniversum führte. Das zwischen 1925 und 1926 komponierte Werk stellt ein überaus fein gewobenes Klanggewebe dar, das bei oberflächlicher Interpretation jegliche Wirkung verlieren würde – glücklicherweise waren Interpreten mit hinreichendem Sinn für Detailarbeit vor Ort. Auf dem Pult zeigte Sylvain Cambreling, Generalmusikdirektor der Oper Stuttgart und schon mal zum „Dirigenten des Jahres“ gewählt, einen eigenwilligen Bewegungsansatz, dirigierte oft in einem wiegenden Puls und gab mit Händen und Fingern subtile Signale, wie er sich einzelne Facetten vorstellte. Das Orchester und vor allem die Damen und Herren der EuropaChorAkademie folgten diesen Vorgaben konzentriert, die Solisten betteten ihre Beiträge ebenfalls stimmig ein.

Größtenteils jedenfalls. Die Sopranistin Simona Šaturová bestach mit einem wunderbar leichten, unangestrengten Ansatz, obwohl sie, der Gestik zwischen den Einsätzen nach zu urteilen, nicht einmal hundertprozentig fit zu sein schien. Tadellos der kultivierte Alt von Katharina Magiera, nur Bassbariton Adam Palka brachte manchmal etwas zuviel Druck auf den Kessel. Unter dem Strich entfaltete dieser Programmpunkt in den besten Momenten so etwas wie eine magische Wirkung.

Ganz so entrückt ist Schuberts 6. Messe nicht, die nach der Pause zu hören war. Sie trägt zuweilen bodenständige Züge, und auf jeden Fall ist sie sehr abwechslungsreich. Schon beim Auftakt mit dem Kyrie setzte Cambreling erfrischende Akzente in Sachen Dynamik, sogar innerhalb einer Phrasierung. Im weiteren Verlauf gab es druckvolle Passagen ebenso wie dezente, und zu einem Höhepunkt wurde das Credo, in dem Terzett der Sopranistin mit den Tenören Thomas Cooley und Uwe Gottswinter herausragte: Wie diese drei Stimmen ineinandergriffen und sich ergänzten, war Extraklasse.

Die Messe dauert eine knappe Stunde, und irgendwann erwies es sich dann doch als schwierig, die Spannung, die den ersten Teil fast durchweg dominiert hatte, aufrecht zu erhalten. Entsprechend konnte man den Schlussbeifall nicht als überschäumend bezeichnen, doch war er recht lang, und Publikumslieblinge kristallisierten sich dabei auch heraus: Immer wenn der Chor und sein Leiter Joshard Daus sich verbeugten, wurde es besonders laut.

Von Jörg Worat