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Kultur Irgendwo zwischen Nähe und Distanz
Weltgeschehen Kultur Irgendwo zwischen Nähe und Distanz
15:43 21.09.2017
Quelle: Galerie Robert Drees
Hannover

Diesmal ist sie zusammen mit ihrem Bruder abgebildet, in Posen irgendwo zwischen Nähe und Distanz, Zuneigung und Bedrohung. Das wirkt intensiv, ist aber ebenso schwer eindeutig zu bestimmen wie der Titel der Schau: Er lautet „Emotion Codes (Das Andere ist unrettbar verloren)“ und verdeutlicht, dass Nitsch gern einen Blick hinter die Kulissen wirft. Und unter die Hautoberfläche, wie andere Bilder von einer Operation am Brustkorb oder dem Innenleben eines Gehirns zeigen.

Damit aber noch lange nicht genug. Die Künstlerin hat sich auch der Keramik zugewandt und eigenartige Gebilde von vage organischer Anmutung geschaffen, die hier an ein Schädelfragment erinnern, da an ein Blutgefäß und wiederum woanders an ein mutiertes Stacheltier aus dem Meer. Auch Videos sind zu sehen, zum Beispiel ein Loop von einem niederbrennenden Haus, in den Zitate aus einem Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan eingeblendet werden.

Die Ausstellung hat zudem etwas von einer Installation an sich, weil die Künstlerin einen Hauch von Atelieratmosphäre erzeugen wollte: Ein Regal mitten im Raum enthält die meisten der Objekte, während einige Tuscharbeiten auf Klötzen an der Wand lehnen und/oder mit einer Art Paketband gerahmt sind. Eine hochinteressante Schau einer Künstlerin, die sich offenbar nicht mit einmal gefundenen Ansätzen zufrieden gibt, sondern ständig auf der Suche ist, ohne darüber ihren eigenen Stil zu verlieren.

Bei Hanna Nitsch gibt es bereits reichlich zu schauen, die Galerie setzt aber noch eins drauf. Die „Outlook“-Begleitausstellung bespielt zwar, wie üblich, nur einen Raum, ist diesmal aber besonders üppig ausgefallen: Vertreten sind mehr als 30 internationale Positionen aus dem Bereich der Konkreten Kunst, Arbeiten also, die nichts im herkömmlichen Sinn abbilden, sondern einzig und allein sich selbst darstellen.

Von Jörg Worat