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Kultur Jetzt mal locker, aber zackig
Weltgeschehen Kultur Jetzt mal locker, aber zackig
12:06 03.01.2014
Hannover

Die Voraussetzungen waren bestens: Das Opernhaus in Hannover war mit üppigem Blumenschmuck versehen, das Publikum ging sichtlich gut gelaunt in den Abend. Und es verließ den Abend auch in der gleichen Stimmung, aber das Konzert ließ die Laune nicht mehr viel besser werden. Dazu wirkte doch einfach zu viel zu gewollt, zu wenig von natürlicher Lockerheit getragen.

Das lag am wenigsten am groß besetzten Orchester, das gerade in den Holzbläsern zeigte, welch exquisite Solisten mitspielen. Es sei nur die immer wieder positiv auffallende Soloklarinettistin Katharina Ahrend genannt. Und auch das Blech, vor wenigen Jahren immer wieder als Schwachpunkt des Orchesters unüberhörbar, ließ im positiven Sinne aufhorchen. Dass die große Schlagwerktruppe um Arno Schlenk besondere Qualitäten aufweist, das dürfte ohnehin inzwischen weithin bekannt sein. Wenn trotz all dieser Positiva das Konzert dann doch nur bedingt gefallen konnte, dann kann das also nur an den bisher nicht genannten Streichern gelegen haben und, vor allem, an der Dirigentin, Hannovers Generalmusikdirektorin Karen Kamensek.

Kamensek mag ja vielleicht schon die eine oder andere gelungene Opernpremiere dirigiert haben, ein Händchen für die leichte Muse hat sie höchstens dann, wenn es knallig werden darf oder soll.

Während die Wirkungskraft der Wiener Walzer und Polkas aus ihrer Melodik heraus entwickelt werden müssten, so müsste im französischen Fach Klangfarbenraffinesse, Eleganz und rhythmisches Feingefühl im Mittelpunkt des dirigentischen Tuns stehen. Die Wiener Musik lebt von den unendlich vielfältigen kleine Tempoänderungen, Zäsuren, den passenden Temporelationen und dem Spiel mit den Betonungen und Nichtbetonungen.

Wer zu all diesen Dingen spürbar keinen Zugang hat, der kann zwar, wie an diesem Abend geschehen, versuchen sich das alles dirigierenderweise zu erarbeiten. Aber das Resultat klingt dann halt ganz schnell nach krampfhaftem Wollen, was unweigerlich abfärbt auf die Spielweise der Streicher, die zwar alles taten, um ihrer Chefin zu folgen, dabei aber jegliche Lockerheit vermissen ließen. Man kann die passende innere Haltung zu dieser Musik eben nicht bei den Musikern erzwingen. Eher noch kann man Virtuosität und Brillanz durch Probenarbeit erreichen, was bei den südamerikanischen Stücken des Programms und beim Amerikaner Louis Moreau Gottschalk auch gut gelang. Das lag der Dirigentin besser.

Insgesamt aber schien das ungeschriebene Motto des Abends zu lauten „Jetzt mal locker, aber zackig“. Kamenseks Dirigat wirkte auch optisch gespielt locker, oftmals eher so zackig als würde sie eine Militärkapelle dirigieren. Ihr angestrengter Blick sprach Bände. Zum Ende hin hellte er sich auf. Aber nur ein wenig. Vielleicht sollte Kamensek ihre Freiheit als Chefin nutzen, dieses jährliche Konzert ihrem Vorgänger Bozic zu überlassen, der dieses Genre besser beherrschte und sich selbst auf andere Weise profilieren.

Von Reinald Hanke