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Kultur „Klangbrücken“-Festival schert gern aus üblichen Konzertabläufen aus
Weltgeschehen Kultur „Klangbrücken“-Festival schert gern aus üblichen Konzertabläufen aus
13:32 08.04.2016
Hannover

Die Veranstaltungsreihe ist in diesem Jahr dem Komponisten Mauricio Kagel gewidmet. Der hatte für Spaß ebenso etwas übrig wie für schauspielerische Einlagen und wäre daher wohl nicht befremdet gewesen, dass sein Werk „Rrrrrrr....“ von zwei Akteuren in den eingangs genannten Verkleidungen aufgeführt wurde. Antonio Ruiz Gimenez und Jorge Renés López gingen die Sache spielerisch an, aus dem beiläufigen Pusten auf einem Blatt Papier entwickelten sich unter Einsatz diverser Perkussion zunehmend komplexere Strukturen, die aber stets nachvollziehbar blieben. Die kleinen darstellerischen Einlagen zwischendurch überschritten nie die Grenze zum nervigen Klamauk.

Der Großteil des Programms gehörte dem „vision string quartet“, das zurzeit „Ensemble in Residence“ bei „musica assoluta“ ist und mit Primgeiger Jakob, dem Sohn Thorstens, ebenfalls einen Encke vorweisen kann. Das muntere Quartett hatte ein Musiktheater namens „vier gewinnt“ mitgebracht und konnte es offenbar kaum erwarten loszulegen – Cellist Leonard Disselhorst begann schon zu grooven, noch bevor er sein Instrument vollständig aus dem Kasten genommen hatte.

Die Grundbehauptung ist hier, das Publikum würde einer Probe beiwohnen. Bei der kann natürlich noch nicht alles klappen, zumal vier Musiker nun mal vier Temperamente mitbringen, die es unter einen Hut zu bringen gilt. Da nervt einer mit seinem ständigen Wunsch, Pizzicato spielen zu wollen, und irgendwann kommt es zu Handgreiflichkeiten. Ein Geiger verausgabt sich derart, dass er besinnungslos zu Boden sinkt, und die Versuche, ihn auf einem Stuhl wieder zum Leben zu erwecken, werden instrumental lautmalerisch begleitet.

Irgendwie gelingt es dem Quartett, bei all dem charmanten Quatsch auch noch Musik zu machen, sehr gute Musik sogar, die eine Bandbreite von Debussy bis zum Blues abdeckt. Als das Einstudieren eines neuen Arrangements von Schuberts „Erlkönig“ ansteht, geraten die Notenblätter durcheinander, so dass die Musiker sich das Stück über das Lesen mit verteilten Rollen erst wieder zugänglich machen müssen. Bei einer Art Quiz sollen verschiedene Besuchergruppen musikalische Stimmungen zuordnen. Auch das hat aber nichts Angestrengtes, nichts Gezwungenes, wie die ganze Inszenierung überhaupt mit bestechender Leichtigkeit abläuft.

Von Jörg Worat