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Kultur „Königin der Trompete“ Alison Balsom begeistert in Hannover
Weltgeschehen Kultur „Königin der Trompete“ Alison Balsom begeistert in Hannover
16:00 19.12.2016
Hannover

Es ist keine Neuigkeit, dass Alison Balsom für Modefans stets etwas in petto hat. Zuweilen stöckelt sie auf High Heels über die Bühne, diesmal bewies sie, dass bei entsprechend raffiniertem Schnitt auch ein blauer Overall abendgarderobentauglich ist. Ohne das indes gar zu sehr auszustellen – dieses Barockkonzert sollte ja in erster Linie akustisch überzeugen.

Und leicht machte es sich Balsom sicherlich nicht. Zwar waren durchaus Klassiker wie die Feuerwerksmusik von Händel oder Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“ – dies übrigens einer der uninspiriertesten Programmpunkte – vertreten, aber auch weniger geläufige Werke von Komponisten wie Girolamo Fantini, Gottfried Reiche oder Carl Heinrich Biber von Bibern. Zudem setzte die Musikerin mit ihrem Ensemble auf historische Klangkultur und bediente selbst die ventillose Barocktrompete. Ebenso wie gleich fünf Kollegen, und zwar als „prima inter pares“, denn unangemessen in den Vordergrund spielte sich Balsom nicht. Die nach eigenem Bekunden immer auf der Suche nach dem perfekten Klang ist und an diesem Abend doch den einen oder anderen Kiekser fabrizierte – etwas anderes wäre bei der diffizil zu handhabenden Barocktrompete auch schon übermenschlich.

Eine große Stärke dieser Musikerin liegt in der Ausdifferenzierung des Klangspektrums. Der Ton kann bei ihr sehr klar werden, sogar strahlend, driftet aber nie in hohles Geschmetter ab, und dass eine Trompete auch sehr sanft daherkommen kann, macht Balsom beispielhaft deutlich. Trotz all dieser Qualitäten tut ein bisschen Abwechslung in Sachen Sound ganz gut, und so war es nicht nur reines Alibi, als Paula Chateauneuf ein solistisches Zwischenspiel auf der Theorbe hinlegte oder Bratschist Oliver Wilson bei drei Werken von John Dowland im Mittelpunkt stand.

Also ein perfekter Abend? Nein. Dazu lief er zu glatt, zu routiniert ab – bei derartigem Mangel an Spontaneität kam das Gefühl auf, es sei völlig egal, welches Konzert der Tournee man besucht. Bezeichnend, dass Alison Balsom bei ihrer Ansage statt Hannover fast Hamburg begrüßt hätte.

Auch die Zugaben waren streng dosiert. Auf genau eine, allerdings eine sehr schöne: Während der Saal „Stille Nacht“ mehr summte als sang, umspielten die Musiker vorne die Melodie.

Von Jörg Worat