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Kultur Kongress in Hannover: Tänzer testen Grenzen aus
Weltgeschehen Kultur Kongress in Hannover: Tänzer testen Grenzen aus
14:26 20.06.2016
Hannover

Zum Abschluss gab’s noch einmal die volle Dröhnung. Bei „Update“ im Opernhaus zeigten zwölf deutsche Staats- und Stadttheater Ausschnitte aus aktuellen Produktionen, ein Überblick, wie man ihn sonst kaum einmal geboten bekommt. Entsprechend vielschichtig war die Auswahl.

Erfrischend und sympathisch der Einstieg mit den Akteuren von Tanz Bielefeld, die zunächst zu flottem Soul-Funk lockere Stimmung in die Bude brachten und dann Episoden aus ihrer privaten Tanzhistorie illustrierten, durchaus nicht immer ruhmreiche – an eine Statistenrolle als Kosak erinnert man sich womöglich ebenso ungern wie an einstige Aerobic-Aufführungen.

In der Folge ging es oft viel ernster zu, manchmal auch etwas gar zu intellektuell. Ganz großartig geriet der weibliche Pas de deux des Leipziger Balletts: Yoojin Yang und Naiara de Matos tanzten den Ausschnitt aus der Choreographie „Lobgesang“ von Ballettdirektor Mario Schröder mit wunderbarer Balance zwischen Strenge und Emotion, dabei äußerst detailreich – allein die Bewegungen der Hände waren hier schon eine Welt für sich.

Spannend auch, wie die Tanzcompagnie Gießen Szenen aus Rosana Hribars Stück „Glaub an mich“ zeigte: In Business-Anzügen und mit fünf Stühlen unterschiedlicher Höhe wussten die Akteure abwechslungsreich einen Themenkreis um Hierarchie und Selbstbehauptung abzustecken. Etwas plakativ fiel das Duett „Kaspar Hauser“ vom Hessischen Staatsballett aus, gemessen an der Applausstärke gehörte es gleichwohl zu den Gewinnern des Abends. Dass Neoklassik und Spitzentanz noch keineswegs gänzlich aus dem Repertoire zeitgenössischer Compagnien verschwunden sind, verdeutlichte unter anderem das Bayerische Staatsballett II, die Jugendabteilung der Bajuwaren.

Mit spannungsreichen, vibrierenden Bewegungen beendete der „Lucid Dream“ des Stuttgarter Balletts, eine Choreographie von Marco Goecke, den Abend. Der an die 40 Minuten länger dauerte als zuvor angekündigt – wirklich traurig wird darüber wohl kaum jemand gewesen sein, und die etwas ausufernde Anfangsmoderation war zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder vergessen.

Von Jörg Worat