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Kultur Konzept aufgegangen: „Sommerresidenz Hitzacker“ zu Ende
Weltgeschehen Kultur Konzept aufgegangen: „Sommerresidenz Hitzacker“ zu Ende
11:21 08.08.2017
Quelle: SMH / Kay-Christian Heine
Hitzacker

Die Tatsache, dass Intendant Oliver Wille verschiedene Künstler für mehr als ein Konzert eingeladen hatte und diese dann auch in unterschiedlichen Konstellationen aufgetreten sind, war in seinen Augen voll aufgegangen. Vor allem war Wille begeistert davon, dass der Mentor mehrerer heute führender Streichquartette, Eberhard Feltz, und der damit verbundene kleine Schwerpunkt auf Streichquartettmusik in der ersten Hälfte des Festivals, so gut angenommen wurde vom Publikum. Und dass es dann auch noch eine ungeplante Uraufführung zu Ehren des 80. Geburtstags von Feltz aus der Feder eines der renommiertesten Komponisten unserer Zeit, von György Kurtag gegeben hat, das hat ihn berechtigterweise ein wenig stolz gemacht.

Vielleicht noch wichtiger aber war, dass es Wille gelungen ist, nun schon das zweite Mal das Sorgenkind des Festivals, die Festival-Akademie, zu einem festen, sicht- und hörbaren Bestandteil des Festivals zu machen. Was diese enorm engagierten jungen Musiker in der kurzen Zeit ihrer zehntägigen Anwesenheit in Hitzacker für die Akzeptanz des Festivals im Umland leisteten, das war beachtlich. Man spielte in diversen sozialen Institutionen, gestaltete den Open-Air-Auftakt im Ort, eine Performance im Zusammenhang mit Rebecca Saunders Klanginstallation „Myriad“, bot eine tolle Festivalnacht und musizierte zudem in drei Vorkonzerten. Und alles, was da geboten wurde, hatte Hand und Fuß und Niveau.

Dass sich in der Nacht der Festival-Akademie dann sogar noch der bekannte Schauspieler Udo Samel zum Mitwirken bei einer wunderbar kreativen Bearbeitung von Saint-Saens’ „Karneval der Tiere“ gewinnen ließ und sichtlichen Spaß daran hatte, den Loriot-Text noch weiter zu spinnen, das setzte dem Erfolg dieser Akademie die Krone auf. Dorothee M. Kalbhenn hat als Leiterin dieser Akademie ein kleines Meisterstück geliefert.

Ein weiterer großer Erfolg waren die eineinhalb Tage Liedschwerpunkt in Kooperation mit der Kissinger Liederwerkstatt. Da wurde von vier ausnahmslos guten jungen Sängern höchst ambitionierte Liedprogramme mit mehreren neuen Stücken und Uraufführungen dargeboten, zuvor öffentlich geprobt und mit einer Einführungsveranstaltung dem Publikum vorab nahe gebracht. Das war zwar vielleicht in der Summe etwas viel der gleichen Art hinter einander, insgesamt aber war diese Schwerpunktsetzung nicht nur mutig, sondern auch erfolgreich.

Nächstes Jahr wird es dann weniger neue Klänge geben, dafür einen ganz klaren Schwerpunkt beim Komponisten Beethoven, dessen sämtliche Streichquartette in chronolo-gischer Abfolge gespielt werden sollen. Dazu ist ein Abend mit Kla-viersonaten, einer mit Violin- und einer mit Cello-Sonaten und einer mit den beiden letzten Klavierkonzerten geplant. Neben dem Kuss-Quartett, werden dann unter anderem Pianist Alexander Lonquich, Geigerin Patricia Kopatchinskaja und Cellist Nicolas Altstädt nach Hitzacker kommen.

Von Reinald Hanke