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Kultur Programm voller Klangmalereien
Weltgeschehen Kultur Programm voller Klangmalereien
13:14 21.12.2018
Wegen einer Erkrankung Sol Galbettas trat kurzerhand die Cellistin Camille Thomas (Foto) beim Konzert mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France im Kuppelsaal auf. Quelle: Ben Russell
Hannover

Wenige Stunden vor Konzertbeginn sagt die Starsolistin krankheitsbedingt ab: ein Albtraum für jeden Veranstalter, erst recht, wenn eine echte Rarität aufgeführt werden sollte. Dass ein solcher Schicksalsschlag indes nicht zwangsläufig in eine Katastrophe münden muss, bewies der Abend mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France im Kuppelsaal.

Denn dem Team von „Pro Musica“ gelang es, in kürzester Zeit für interessanten Ersatz zu sorgen – statt Sol Gabetta, die durch eine akute Erkältung die Segel streichen musste, war nun die franko-belgische Cello-Kollegin Camille Thomas am Start. Deren Name hat zwar noch nicht die Strahlkraft einer Gabetta, aber die Musikerin ist keineswegs ein unbeschriebenes Blatt, und ihre Karriere scheint gerade Fahrt aufzunehmen.

Dafür lieferte Camille Thomas an diesem Abend gute Argumente. Natürlich war es schade, dass anstelle der ursprünglich vorgesehenen Komposition von Mieczysław Weinberg nun das weniger exotische 1. Cellokonzert von Camille Saint-Saëns auf dem Programm stand, doch bei entsprechender Interpretation hört man diese Musik ja immer wieder gern. Und Thomas zeigte eine ganze Reihe von Qualitäten: Ihr Ton ist emotional, aber frei von Kitsch, unaufdringlich und doch meist sehr präsent, ausgewogen in den tiefen wie den hohen Lagen. Angesichts der Umstände war besonders beachtlich, wie harmonisch sie mit dem Orchester agierte. Das Publikum reagierte positiv und wurde mit einer feinsinnigen Zugabe in Gestalt von Pablo Casals‘ „Song of the Birds“ belohnt.

Den Rest des Abends bestritt das Orchestre Philharmonique de Radio France solistenfrei mit einem Programm voller Klangmalereien. „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas hexte zum Auftakt zwar zunächst etwas gar zu brav, als aber nach und nach mehr Risiko ins Spiel kam, wurde bald klar, weshalb Walt Disney diese turbulente Musik einst in seinem Zeichentrickfilm „Fantasia“ einsetzte. Der Finne Mikko Franck auf dem Podium erreichte mit wenigen präzisen Gesten mehr als so mancher showorientierter Kollege – wenn man es nicht kennt, wirkt allerdings gewöhnungsbedürftig, dass er streckenweise im Sitzen zu dirigieren pflegt.

So richtig in die Vollen ging‘s dann nach der Pause. Richard Strauss‘ Tondichtung „Tod und Verklärung“ wurde vor allem von den Streichern hinreichend üppig ausgestaltet, die Grenze zu überzogenem Pathos dabei souverän vermieden. Und die gleiche Stilsicherheit prägte auch die Interpretation von Maurice Ravels „La Valse“: Ohne Scheu vor Einschüben von echtem Schmäh balancierten Franck und sein Orchester die feinen Nuancen zwischen Walzerseligkeit und Chaoselementen aus.

Viel Beifall, als aparte Zugabe eine Komposition von Heino Kaski, sanft, aber mit eigentümlichen melodischen Wendungen.

Von Jörg Worat

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