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Kultur Konzert der NDR-Radiophilharmonie im Großen Sendesaal Hannover
Weltgeschehen Kultur Konzert der NDR-Radiophilharmonie im Großen Sendesaal Hannover
16:51 21.06.2017
War schon 2014 beim Debüt des NDR-Chefdirigenten Andrew Manze dabei:Arabella Steinbacher. Quelle: Peter Rigaud
Hannover

Zum Beispiel ein Wiedersehen mit der Geigerin Arabella Steinbacher, die schon 2014 beim Debüt des NDR-Chefdirigenten Andrew Manze gespielt hatte. Und zwar sehr klar, aber ein wenig für die Galerie – der erstgenannte Eindruck bestätigte sich auch diesmal, der letztere nicht: Mozarts 5. Violinkonzert interpretierte Steinbacher angenehm frisch und weitgehend effektfrei, mit Ausnahme von der einen Tick zu stark ausgestellten Kadenz im ersten Satz. Das Orchester bot, wie unter Manze gewohnt, differenzierte Klangkultur, klug ausgewogen zwischen Emotion und Logik. So war zu verschmerzen, dass man das Finale schon mal etwas pointierter gehört hat.

Bei der der Zugabe setzte Steinbacher erfreulicherweise auf Risiko: Die Interpretation eines Prokofjew-Satzes war weit entfernt von wohlfeilem Schönklang, kam gerade dadurch besonders spannend über die Rampe und bewies, dass die Geigerin den Bogen bei Bedarf auch rau einzusetzen weiß. Da gab’s fast noch mehr Beifall als für den Mozart.

Nach der Pause wurde es innig. Mendelssohns „Lobgesang“ hat einen ganz eigenen Spannungsbogen, weil diese „Symphonie-Kantate“ im ersten Teil rein instrumental erklingt und im zweiten gesanglich dominiert ist. Das kann leicht abschmieren, Dirigent Manze allerdings ist bei solchen Herausforderungen in seinem Element. Klug baute er eine sinnlich-spirituelle Atmosphäre auf, die stets frei von Pathos blieb – ein bewegender und jederzeit schlüssiger Musikfluss, aus gutem Grund am Ende mit einer Reihe von Bravos quittiert.

Ohne hochkarätige Vokalisten wäre allerdings auch Manze aufgeschmissen gewesen. Der NDR Chor und der WDR Rundfunkchor Köln waren von Robert Blank auf den Punkt vorbereitet worden; schade, aber kaum zu ändern, dass die besonders mächtigen Gesangspassagen die Akustik des Sendesaals spürbar überforderten. Beim Solistentrio war Sopranistin Anna Lucia Richter wohl der bekannteste Name, in Erinnerung bleibt nach diesem Abend indes eher Tenor Robin Tritschler: ein ebenso griffiger wie uneitler Vortrag, der nur dann mehr in die Vollen ging, wenn die Textvorlage dies auch anbot.

Ein feines Konzert. Das neugierig macht auf der erste der kommenden Saison: Am 9. September steigen im Kuppelsaal die „Hannover Proms“, diesmal gleich mit vier Chören.

Von Jörg Worat