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Kultur Konzertfest mit kleinen Perlen und peinlichen Aktionen
Weltgeschehen Kultur Konzertfest mit kleinen Perlen und peinlichen Aktionen
11:59 28.07.2014
Hannover

Klar also, woher die Komponisten des Abends kamen, und traditionell färbt das Motto sogar auf die im Foyer angebotenen Speisen ab: Die Besucher konnten zwischen Roast Beef Salad und Cider Pork wählen, bei Bedarf auch Ice Cream Crumble nachschieben. Neu war allerdings die Dramaturgie, wurde diesmal doch die Pause mit den üblichen kammermusikalischen Darbietungen in Garderoben und anderen eher intimen Aufführungsorten erheblich verlängert, während der in früheren Jahren gern gepflegte spätabendliche Auftritt eines Jugendorchesters wegfiel.

An sich eine durchaus reizvolle Idee, zumal die besagten Mini-Konzerte – unter anderem waren Streichquartett-Häppchen von Frank Bridge und William Walton sowie Händelsche Vokalmusik im Angebot – oft genug kleine Perlen bargen. Doch auf Dauer konnten die knuffigen Temperaturen und Begleitgeräusche in Form lauter Gespräche nebst Gläserklirren das Vergnügen empfindlich trüben.

Und das Symphoniekonzert im großen Saal? Vor der Pause wusste das Niedersächsische Staatsorchester unter Karen Kamensek bei Gustav Holsts berühmter Suite „The Planets“ mehrfach zu punkten, insbesondere beim intensiven Auftakt mit dem „Mars“. Majestätisch der „Jupiter“, eindrucksvoll der „Neptun“-Ausklang mit dem Opern-Damenchor, dessen Gesang von außen durch die geöffnete Tür im oberen Rang fast unwirklich in den Saal schwebte. Jeder Satz hatte seinen eigenen Charakter, allerdings bröselte die Präzision zuweilen etwas weg.

Der Teil nach der Pause geriet dann völlig unterirdisch. Nicht nur ließ die Interpretation der flotten bis banalen Weisen von Arthur Sullivan oder Henry Wood jegliche „tongue-in-cheek“-Raffinesse vermissen, der Abend driftete zudem in peinlichste Mitmach-Aktionen inklusive Klatschen, Fähnchenschwenken und Kniebeugen – und der pointenlose Auftritt eines Queen-Doubles machte die Sache keineswegs besser.

Von Jörg Worat