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Kultur Künstlerische Auseinandersetzung mit sichtbarer Realität
Weltgeschehen Kultur Künstlerische Auseinandersetzung mit sichtbarer Realität
17:36 18.04.2016
Lehrte

„Idealerweise Sonnenschein“ ist die Ausstellung betitelt. Und im Gespräch mit der Künstlerin wird schnell deutlich, dass sich der Titel sowohl auf ihre Bildmotive als auch auf ihre eigene Gefühlswelt bezieht. In ihren großformatigen, collagenhaften Bildkompositionen verbindet sie eine Vielzahl von Motiven zu einem malerischen Geflecht, in dem ihre künstlerische Auseinandersetzung mit der sichtbaren Realität durch die Einarbeitung von ironischen Brechungen oder optischen Irritationen, durch Reduktion oder Überlagerungen eine ausdrucksstarke Verdichtung erhält. Ihre ganz eigene Dramaturgie findet sich auch in den formalen Gegensätzen wieder: Abstrakte Malerei und gegenständliche Zeichnung, skizzenhafte und sehr konkrete Formen überlagern sich, gehen ineinander über oder driften auseinander.

Ihre Motive beinhalten „humoreske, bedrohliche und idyllische Momente“, erläuterte Kurator Maik Schlüter in seiner Einführung und verwies auf die für Meike Zopf typische Wandelbarkeit und Dynamik. Manche Motive sind relativ leicht zugänglich, andere bleiben bewusst in der Schwebe und sind offen für die Deutungen des Betrachters. „Eine neue Bildqualität jenseits rationaler Zusammenhänge“ erkennt auch Galeristin Julienne Franke in den Gemälden. „Anders als im Surrealismus legt Meike Zopf ihren Fokus aber nicht auf das Aktivieren unbewusster Bilder“, stellt sie fest. Vielmehr sei „die reale Bildwelt, die täglich neue Eindrücke hinterlässt, eine zentrale Quelle ihrer Arbeiten“. Idyllische Szenen und Landschaftsausschnitte werden dabei ebenso zu Bestandteilen ihres Bildervorrats wie grelle Farben und Wortfragmente. Es sind vornehmlich ambivalente Bildinhalte, die sich aus der Bilderflut des Alltags und der Massenmedien speisen. Ihr Nebeneinander ist Ausdruck einer Lebenswelt, die durch Gleichzeitigkeit und Unüberschaubarkeit geprägt ist. „Beziehungsreich zusammengebracht und zu Bedeutungsfeldern verdichtet“, mit deutlichen, wenn auch zumeist nur teilweise ausgeführten Anklängen der sichtbaren Realität, etwa in ihrem Gemälde „Farewell lost“, in dem sie die Bedrohung einer Idylle thematisiert, „die Bedrohung und den Verlust der Heimat, aber auch die damit einhergehende Sehnsucht nach Heimat“, wie sie selbst sagt. Dabei ist der Begriff „Heimat“ sowohl als konkreter Ort als auch als emotionaler Begriff zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl