Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Kunsthalle zeigt rund 60 Arbeiten in Ausstellung „Sammeln für Hamburg“
Weltgeschehen Kultur Kunsthalle zeigt rund 60 Arbeiten in Ausstellung „Sammeln für Hamburg“
09:26 21.07.2017
Die Ausstellung „Sammeln für Hamburg“ zeigt Werke wie „Waldlandschaft mit dem Grab des Mycon“ von Felice Giani von 1812/13 und Lovis Corinths „Nach dem Bade – Strumpf anziehende Frau“ (kleines Bild) aus dem Jahr 1906. Quelle: Kunsthalle Hamburg (2)
Hamburg

Eine wunderbare Auswahl, die im 17. Jahrhundert beginnt und bis in die Klassische Moderne reicht. Große Namen sind in bekannter Manier vertreten, etwa Lovis Corinth mit aus dem Leben gegriffener Figurendarstellung oder Edvard Munchs bedrückende Radierung „Das kranke Kind“ – dieses Motiv hat der Künstler, dessen Schwester Johanne Sophie im Alter von 14 Jahren starb, immer wieder bearbeitet. Wie leichthändig dagegen Giovanni Battista Tiepolo Mitte des 18. Jahrhunderts zu Werke gehen konnte, beweist dessen gekonnt reduzierte Zeichnung „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten mit zwei Engeln“.

Einige Exponate wider-sprechen gängigen Klischees. Wer etwa mit Paul Gauguin ausschließlich dekorative Gemälde von Südsee-Schönheiten in Verbindung bringt, wird sich angesichts der hier vertretenen spukhaft-archaischen Farbholzschnitte neu orientieren müssen. Und wie krass Paul Klee die Grenze zum Grotesken überschreiten konnte, ist vielleicht auch noch nicht überall bekannt. Zudem kann man in dieser Ausstellung eine Reihe von Entdeckungen machen. So gehört Hendrik Voogd, je nach Quelle 1766 oder 1768 in Amsterdam geboren und 1839 in Rom gestorben, wohl kaum zu den ganz großen Namen der Szene – wie atmosphärisch er jedoch Lichteffekte zu setzen wusste, beweisen seine Darstellungen antiker Ruinen in Tivoli.

Das Skizzenhafte mancher Blätter, etwa von Max Liebermann, ist ein zusätzlicher Reiz für alle, die den künstlerischen Entstehungsprozess interessant finden. Indes sei darauf hingewiesen, dass die überschaubare Größe der Ausstellung eine weite Anreise allein für den Zweck des Besuchs nur bedingt rechtfertigen mag – die Hamburger Kunsthalle wird ja aber auch an-sonsten nicht so schnell langweilig, und wer ohnehin in der Gegend ist, sollte schon gar nicht lange zögern.

Von Jörg Worat