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Kultur Kunstverein Hannover zeigt Installationen von Hiwa K
Weltgeschehen Kultur Kunstverein Hannover zeigt Installationen von Hiwa K
11:23 08.06.2018
Im Kunstverein Hannover ist eine umfangreiche Einzelausstellung des kurdisch-irakischen Künstlers Hiwa K zu sehen. Quelle: Raimund Zakowski
Hannover

1975 im kurdischen Teil des Irak geboren und nunmehr in Berlin zuhause, ist Hiwa K ein Grenzgänger im wahrsten Sinne des Wortes. So zeigt ihn die Videoarbeit „Pre-Image“ bei einer Rekonstruktion von Teilen seines Fluchtwegs mit künstlerischen Mitteln: Auf der Stirn balanciert er ein abenteuerliches Gestänge, an dem Auto- und Fahrradspiegel befestigt sind. Was ist die Heimat, was ist die Fremde? Alles eine Frage des Blickwinkels, und wenn der sich ständig verändert, ist eine wohlfeile Antwort nicht leicht möglich.

Da wir schon von Blickwinkeln sprechen: Auch der Besucher wird hier aufgefordert, verschiedene einzunehmen. So muss er eine Brücke besteigen, um die Arbeit „What the Barbarians Did Not Do, Did the Barberini“ in ihrer Gänze überblicken zu können. Dann werden fünf Sandgebilde sichtbar, deren Form der Pantheon-Kassettendecke nachempfunden ist, und in diesem Zusammenhang erschließt sich auch der Titel: Diese Decke ließ einst Papst Urban VIII. alias Maffeo Barberini einschmelzen, um aus der Bronze Kanonen zu fertigen. Ein Video an der Wand dahinter zeigt das gegenteilige Vorgehen: Hier schmiedet Metallhändler Najad in Sulaimaniyya, der Geburtsstadt von Hiwa K, Waffen in Gegenstände für den täglichen Gebrauch um.

Eine Arbeit ist direkt für die imposante Architektur des Kunstvereins entstanden. Im ersten und im letzten Raum des Rundgangs verändern blaue Folien vor den Fenstern die Lichteinwirkungen. Auf Boden und Wänden sind in kurdischer Sprache Schriftzeichen aufgebracht, die eine Geschichte von Kampf, Tod und Ritual erzählen, in zwei Erzählperspektiven und samt Übersetzung ins Deutsche.

Ein besonders raffiniertes Werk zeigt eine Ansammlung von Leiterobjekten, an denen Musikinstrumente befestigt sind. Es war ursprünglich für eine Aktion in der berühmten „Speakers‘ Corner“ des Londoner Hyde Parks gedacht, wo jeder ohne Voranmeldung Reden über ein Thema seiner Wahl schwingen darf. Nach Absage der Aktion wurde aus der Performance eine Installation, aber man kann sich fragen, ob die Arbeit dadurch an Wirkung verliert. Ist die Phantasie, die Instrumente würden loslärmen, nicht vielleicht sogar viel intensiver, als wenn sie es wirklich täten? Alles eine Frage des Blickwinkels.

Von Jörg Worat

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