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Kultur Landesmuseum Hannover zeigt „Silberglanz. Von der Kunst des Alters“
Weltgeschehen Kultur Landesmuseum Hannover zeigt „Silberglanz. Von der Kunst des Alters“
15:10 04.10.2017
Quelle: Cindy Sherman
Hannover

Das Alter wird gemeinhin mal mit Weisheit assoziiert, mal mit Verfall, wird hier verklärt und dort verdammt. Entsprechend vielgestaltig sind die rund 130 Exponate, darunter Leihgaben aus New York, London oder Rom, die knapp vier Jahrtausende umfassen. So repräsentieren aus gutem Grund gleich im vorderen Teil zwei Ausstellungsstücke Platon, der das Alter vor allem mit wahrer Reife in Verbindung brachte und Aristoteles, dessen diesbezügliche Meinung weitaus abfälliger war.

Immer wieder spannend sind die zeitlichen Brückenschläge der beiden Kuratorinnen mit ihren unterschiedlichen Spezialgebieten: Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums und Archäologin, hat Unterstützung durch Lisa Felicitas Mattheis bekommen, kuratorische Assistentin am bekanntlich der modernen Kunst verpflichteten Sprengel Museum Hannover.

Im Themenraum „Alter und Repräsentation“ finden sich beispielsweise interessante Aspekte aus unterschiedlichen Epochen. Einzigartig ist eine Ehrenstatue einer alten Frau aus der Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus, als eigentlich die Abbildung in jugendlicher Schönheit üblich war: „Ich persönlich glaube, dass es sich um eine mythologische Figur handelt“, sagt Lembke, „nämlich Aithra, die Mutter des Theseus. Ein Sinnbild der Befreiung.“ Nicht weit entfernt befindet sich ein Exponat aus der neuesten Serie der US-amerikanischen Fotografin Cindy Sherman, die sich selbst zu inszenieren pflegt, diesmal im Stil von großen Hollywood-Diven, an denen das Alter nicht spurlos vorübergegangen ist. „Darin“, betont Mattheis, „steckt auch ein tragischer Aspekt.“

Wenn es um den Themenkreis „Erinnerung“ geht, könnte ein Ausstellungsstück in besonderem Maße für Diskussionen sorgen: Ron Muecks Plastik „Dead Dad“ von 1996/97 zeigt den toten Vater des australischen Künstlers in hyperrealistischer Manier, wenngleich auf eine Länge von einem guten Meter verkleinert. Speziell ist auch John Coplans „Self-Portrait“ ausgefallen: Es setzt sich aus Photographien des eigenen, deutlich gealterten Körpers zusammen.

Das mag nicht den gängigen Vorstellungen von Schönheit entsprechen. Aber die sind ja immer eine relative Angelegenheit, wie schon um 1520 Daniel Mauch höchst raffiniert deutlich machte: Seine aus Buchsbaum geschnitzte „Nackte Alte“ zeigt faltige Haut und schlaffe Brüste – während die Gliedmaßen besonders in der Rückenansicht bemerkenswert jugendfrisch ausgestaltet sind.

Anspruch auf Vollständigkeit erheben die Kuratorinnen der Ausstellung übereinstimmend nicht. Aber was sie hier zusammengetragen haben, reicht schon satt – im Schnelldurchlauf ist diese Schau, die bis zum 18. Februar 2018 läuft, jedenfalls ganz bestimmt nicht angemessen zu würdigen.

Von Jörg Worat