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Kultur Lebendiger Elan, ohne die Präzision zu vergessen
Weltgeschehen Kultur Lebendiger Elan, ohne die Präzision zu vergessen
12:59 17.12.2013
Hannover

Hier geht es nicht um putziges Auftreten und ein mitsingtaugliches Programm. Welcher Anspruch waltet, macht schon die Musikauswahl für den Nachwuchschor deutlich, der mit Bohuslav Martinus „Three Sacred Songs“ höchst differenzierte Kompositionen zu meistern hatte. Dass bei den Anforderungen noch eine Schippe draufgelegt wird, versteht sich von selbst – dennoch gewinnt man nie den Eindruck, dass Chorleiterin Gudrun Schröfel bei aller Detailgenauigkeit ihren Mädchen den Spaß am Singen vermiest.

Geistliche Musik muss keineswegs immer schwer daherkommen, wie die Interpretation von Johann Michael Haydns „Missa Sancti Leopoldi“ bewies, bei der, die Wortwahl sei gestattet, zwischendurch die Post mächtig abging: Tatkräftig unterstützt vom Instrumentalisten-Ensemble „Il gioco col suono“, versprühte der Chor lebendigen Elan, ohne darüber die Präzision zu vergessen. Abwechslungsreichtum war der Trumpf bei einem Dauerbrenner im Mädchenchor-Programm, Benjamin Brittens „Ceremony of Carols“, zur Harfenbegleitung von Teresa Zimmermann, die sich mühelos gegen die nicht eben leisen Klangeinmischungen des brodelnden Weihnachtsmarkts behaupten konnte. Bei „Salve Regina“ von Johann Adolf Hasse, dem dritten großen Beitrag in der ersten Konzerthälfte, ging Altistin Esther Choi anfangs etwas zu verhalten ans Werk und konnte sich erst im weiteren Verlauf entfalten.

Dann war Auflockerung angesagt, und zwar in wörtlichem Sinne: Der Konzertchor verteilte sich in Gruppen unterschiedlicher Stärke über den gesamten Kirchenraum – fortan konnten die Besucher aus allen Richtungen Weihnachtssätze vernehmen. Wenngleich darunter „Es ist ein Ros entsprungen“ zu finden war, überwogen eher ungewohnte Stücke in Arrangements quer durch die Jahrhunderte, mal feierlich („Gaudete Christus est natus“), mal beschwingt („Lieb Nachtigall, wach auf“).

Gab’s denn gar nichts zu meckern? Vielleicht das Fehlen solistischer Überfliegerinnen – eine neue Ania Vegry, langjähriges Mädchenchor-Mitglied und inzwischen aus dem Ensemble der hannoverschen Staatsoper nicht mehr zu wegzudenken, scheint vorerst kaum in Sicht. Dem superherzlichen Beifall tat das allerdings keinen Abbruch.

Von Jörg Worat