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Kultur Lesung jenseits aller Klischeevorstellungen
Weltgeschehen Kultur Lesung jenseits aller Klischeevorstellungen
13:11 04.12.2018
August Zirner Quelle: Marion Von Der Mehden
Hannover

Zur Zeit geben sich die Stars im Schauspielhaus bei speziellen Lesungen die Klinke in die Hand. Jetzt kehrte Grimme-Preisträger August Zirner („Tatort“, „Wut“, „Gladbeck“) nach Hannover zurück, wo er einst sein erstes Theater-Festengagement hatte. Und sorgte mit seiner Version von Mary Shelleys „Frankenstein“ für ein Highlight jenseits aller Klischeevorstellungen à la Boris Karloff.

Genau 200 Jahre ist der Roman alt, und doch scheint die Geschichte des Mannes, der Gott spielen will, aktueller denn je. Wohin die Auswüchse des Wissenschafts-Wahns führen können, sieht man hier schon zu Beginn: Da sitzt eine gebrochene Gestalt am Tisch und tastet sich gleichsam in seine Beichte hinein. Tote Materie hat er, der Forscher, belebt und damit ein Monstrum geschaffen, das er nun nicht mehr loswird.

Zirner bringt viele Facetten ins Spiel, die Stimmungen des Victor Frankenstein können von dumpfem Grübeln in pure Verzweiflung mitsamt entsprechenden Schreien umkippen. Und nicht zuletzt kommt immer wieder ein ekliges Selbstmitleid zum Vorschein: Alle seien demnach besser dran als er, auch das Kindermädchen, das unschuldig verurteilt und hingerichtet wird, obwohl Frankenstein dies hätte verhindern können.

Das ist schon hinreichend spannend, doch die Musik setzt noch einen drauf: Keyboarder Rainer Lipski, Bassist Kai Struwe und der wunderbar variable Mickey Neher an diversem Schlagwerk begleiten Zirner, der seinerseits ab und an zur Querflöte greift. Je nach der angesagten Atmosphäre klingt’s mal lauschig, mal fetzig und mal ziemlich fies.

Zuweilen bürstet der Sprecher die Szene gegen den Strich und macht sie damit besonders eindringlich. Als sich etwa Monster und Monstermacher Auge in Auge gegenüberstehen und die Kreatur von ihrem Schöpfer eine Gefährtin verlangt, mischen sich Beharrlichkeit und Drohung mit einer gewissen Sanftheit, so dass man fast geneigt ist, Verständnis für die Wünsche des Ungetüms zu entwickeln.

Falls es dieses Ungetüm überhaupt gibt. Denn Zirner lässt in aller Mehrdeutigkeit eine Hintertür offen: Handelt es sich bei den Beschreibungen des Monstrums vielleicht um ein Hirngespinst Frankensteins, um eine Abspaltung eigener, nicht eingestandener Persönlichkeitsstrukturen? Es hat ja wohl seine Gründe, dass im allgemeinen Sprachgebrauch die Kreatur und ihr Schöpfer meist gleichgesetzt werden.

Wie dem auch sei: ein beeindruckender Abend vor leider nicht einmal annähernd ausverkauftem Haus.

Von Jörg Worat

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