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Kultur LudiCanto überzeugt im Kloster Isenhagen in Hankensbüttel
Weltgeschehen Kultur LudiCanto überzeugt im Kloster Isenhagen in Hankensbüttel
17:54 13.07.2014
Der Chor sang in der Kirche des Klosters Isenhagen von der Empore. Quelle: Alex Sorokin
Hankensbüttel

HANKENSBÜTTEL. Bei geistlichen Chorsätzen verschiedener Epochen – von Sigismondo d’India (1582–1629) bis Jakob de Haan (1959 geboren) – erwiesen sich die vierzehn Vokalisten im grandios ineinander greifenden Netzwerk ihrer Stimmen als exzellente Gestalter polyphonen A-Cappella-Gesangs, dessen klangmalerische Facetten sie mit feinster Artikulation und dynamischer Feinjustierung zu entfalten und aufzufächern wussten.

Mitentscheidend für die berauschend zelebrierte ätherische Schönheit ihres Gesangs war der spürbar feine Sinn des Dirigenten für klangliche Noblesse, für weite atmende Bögen und für die subtilen Verbindungen zwischen Sprache und Musik. Dabei wirkte die Stimmgewalt seiner Choristen selbst im Fortissimo nie erdrückend oder effektheischend, sondern immer voller musikalisch intelligenter Strenge und sensibler Könnerschaft. Mit der gleichen Intensität wussten sie dann auch aus ausgesucht leiser Stimmlage noch eine schier unerschöpfliche Nuancenvielfalt herauszuholen.

Dazu erlebte das immer wieder enthusiastisch applaudierende Publikum mit Claudio Novati (1992 geboren) einen begnadeten jungen Organisten, der die Kirchenorgel sowohl in begleitender Funktion als auch solistisch in einer begeisternden Mischung aus Spieltemperament und Formintelligenz erlebbar machte. Und das in einer dynamisch ungemein fesselnden und frischen Spielweise, sei es bei der „Bergamasca“, einer tänzerischen Instrumentalcanzone aus Frescobaldis „Fiori musicali“, oder bei Bachs „moderner“ Fantasie und Fuge g-Moll, die Novati – enorm kraftvoll in den dynamischen Steigerungen – auf eindrucksvolle Weise zu interpretieren verstand.

Von Rolf-Dieter Diehl