Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Märchenoper „Hänsel und Gretel“ feiert in Braunschweig Premiere
Weltgeschehen Kultur Märchenoper „Hänsel und Gretel“ feiert in Braunschweig Premiere
18:21 07.11.2017
Hänsel (Carolin Löffler) und Gretel (Ekatarina Kudryavtseva) überzeugten sprachlich sowie darstellerisch in ihren Rollen. Quelle: Thomas M. Jauk
Braunschweig

Sicher ein großes Kompliment von Kindern für die musikalische Ausgestaltung und für die abwechslungsreiche, inhaltlich leicht geänderte Inszenierung von Brigitte Fassbender. Und die Erwachsenen? Von ihnen gibt es am Schluss minutenlangen, kräftigen Beifall, viele Bravorufe und lautes Füßegetrampel. Dann hört man hinter dem geschlossenen Vorhang nur noch die Jubelschreie des Enselmbles.

Schon Humperdinck feierte mit seinem Opernerstling einen Erfolg, den er mit keinem anderen seiner Werke wieder erreichte. Mit großem Orchesterklang liegt das Besondere seiner Werke in der Verbindung der kompositorischen Errungenschaften Richard Wagners mit Elementen der Volksmusik. „Suse, liebe Suse“ oder „Ein Männlein steht im Walde“ werden als Kinderlieder noch heute gern gesungen.

Auf ihren Irrwegen durch den Wald stoßen Hänsel und Gretel, um Essbares zu finden, auf ein altes geheimnisvolles und halb verfallenes Herrenhaus. Hier wohnt die Hexe. Um ahnungslose Kinder zu verlocken, hat sie allerlei Süßes parat, an dem man rumknabbern kann. Besonders das kleine Lebkuchenhaus hat es den Kindern angetan. Gierig machen sie sich darüber her. Die Frage, ob man das darf, stellt sich ihnen nicht. Als sich die Hexe unbedacht in den glühenden Ofen beugt, wird sie von Gretel vollends hineingestoßen. Warum sich die Hexe allerdings nicht schon längst in ein betörendes junges Mädchen verwandelt, um den Kindern Vertrauen einzuflößen, bleibt ein Geheimnis. Ihre Hexenkunst ist wohl noch nicht so ganz ausgereift. Märchen sind eben nicht immer logisch und stringent.

Mit wunderbar leuchtendem Sopran, strahlkräftig, sprachdeutlich und darstellerisch beweglich glänzt Ekaterina Kudryavtseva als Gretel. Ihr in nichts nach steht mit der Attitüde eines pubertierenden Jungen Carolin Löffer als Hänsel. Zwei Geschwister, die sich auch stimmlich trefflich ergänzen. Ihre Mutter Gertrud (streng, aber immer liebevoll) sorgt sich um ihre Kinder. Matthias Stier in seiner Rolle als Knusperhexe macht Kindern nicht Angst und ist dennoch unheimlich anzuschauen. Dem Sandmännchen gibt Moritz Gildner angenehme Züge. Das Niedersächsische Staatsorchester unter der energischen Leitung von Ivan Lopez Reynosoli unterstützte mit feinen dynamischen Differenzierungen das Geschehen auf der Bühne und ließ die wagnerischen Anklänge bisweilen kräftig aufblühen.

Von Hartmut Jakubowsky