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Kultur "Mare nostrum" als irritierende Inszenierung im Schauspielhaus Hannover
Weltgeschehen Kultur "Mare nostrum" als irritierende Inszenierung im Schauspielhaus Hannover
16:55 16.06.2017
Befremdliche Wirkung: „Mare Nostrum“ vom mexikanischen „Teatro en Código“. Quelle: Moritz Kästner
Hannover

Ein Stichwort, denn Kernpunkt der Inszenierung ist die Situation in Kolumbien und die daraus resultierende Massenflucht. Regisseurin Laura Uribe schickt ein Quartett in ihre knallharte Mischung aus Dokumentartheater und Performance – drei Frauen und ein Mann agieren ohne Rücksicht auf Verluste, bringen autobiographische Erfahrungen ein und fordern dem Publikum nicht nur mit Erzählungen von Mensch-Fisch-Mutationen und anderen surrealen Unheimlichkeiten eine Menge ab.

Konterkariert wird das Ganze durch flotten Tanz, Musik oder einen Micky-Maus-Kopfputz; zuweilen kurvt ein ulkiger Pinguin auf Rollschuhen über die Bühne. Sogar ein Live-Kaffee-Verkauf findet statt, die Säcke sind in kürzester Zeit vergriffen. Der Schrecken wird durch diese Kontraste noch schrecklicher, und als es für eine besonders spritzige Einlage von einigen Besuchern Szenenapplaus gibt, wirkt das doch befremdlich.

Allerdings stellt sich überhaupt die Frage, welche Ästhetik einem solchen Thema angemessen ist. Legt man die gängigen Kriterien für Spannungsbögen zugrunde, sind manche Passagen des Abends überlang und sprachrhythmisch unausgewogen, doch hilft ein derartiges Auseinanderklamüsern hier nicht wirklich weiter. Nennen wir die Inszenierung irritierend – nicht zuletzt genau dafür ist dieses Festival ja auch da.

Von Jörg Worat