Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur „Maybebop“ zeigt beachtliche Bandbreite beim „Ring Pops“
Weltgeschehen Kultur „Maybebop“ zeigt beachtliche Bandbreite beim „Ring Pops“
13:36 16.10.2015
Hannover

Das hannoversche A-cappella-Quartett hat eine eingeschworene Fangemeinde, Zuwachs ist nicht ausgeschlossen. Handwerklich hat die Truppe eine Menge auf dem Kasten, die Eigenkompositionen von Bariton Oliver Gies müssen den internationalen Vergleich nicht scheuen, es gibt eine Fülle von melodischen und rhythmischen Finessen. Und das orchestrale Gewand, zu dem Dirigent Enrique Ugarte abwechslungsreiche Arrangements beigesteuert hat, bekam der Musik gut.

Die stilistische Bandbreite von „Maybebop“ ist beachtlich. Da wurde aus Bachs berühmtem „Air“ nach klassischem Einstieg eine Swingnummer, ansonsten machte sich ein ausgeprägter Pop-Einschlag zwischen Liebeslied und Fetzer bemerkbar. Die Sache konnte aber auch eine interessante Schräglage bekommen, etwa beim „Stillen Lied“ mit seinem sonderbaren Text („Dies Lied kommt aus dem Mutterleib / Es ist fötaler Zeitvertreib“). „Festung“, Glanznummer von Bass Sebastian Schröder und leicht mittelalterlich angehaucht, geriet sogar nachhaltig beeindruckend – in puncto Tiefgang wohl der Höhepunkt des Programms.

Und gerade weil man weiß, dass die Band dergleichen beherrscht, ist und bleibt hier mancherlei – vor allem das Humorverständnis – Geschmackssache. Die Grenze zur Albernheit ist bei „Maybebop“ stets in Sichtweite, was sich in der Kostümierung ebenso niederschlägt wie in Tanzeinlagen und flapsigen Ansagen. Auch über die Songtexte mag man streiten. Wenn Countertenor Jan Bürger beklagte, dass die Geschäfte immer früher Weihnachtsgebäck anböten, aber keinen „Adventskalender im September“, gehörte das in den Bereich des höheren Nonsens. Niveau hatten auch die zwei Titel mit Wortspielen des ex-hannoverschen Dichters Friedhelm Kändler. Dagegen fiel eine Nummer wie „Fpaniff“, die sich um einen Sprachfehler dreht, doch auffallend ab.

Nichts ändert jedoch etwas an der Tatsache, dass all diejenigen bestens bedient wurden, die in erster Linie wegen gekonnten Entertainments in den Sendesaal gekommen waren.

Von Jörg Worat