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Kultur Mayer übernimmt Leitung in Hitzacker
Weltgeschehen Kultur Mayer übernimmt Leitung in Hitzacker
13:38 19.03.2015
Hitzacker

Wer als Auswärtiger zu Festivalzeiten in das schöne Elbe-und-Jeetzel Städtchen Hitzacker kommt, der wundert sich immer wieder: Obgleich die Festivalgäste für den bescheidenen Tourismus der Region von größter Bedeutung sind, begegnet ein Teil der einheimischen Wirtschaft, nämlich der Gastronomie und des Einzelhandels, den Gästen mit einer Ignoranz, die einem selbst nach eineinhalb Jahrzehnten regelmäßiger Hitzackerbesuche staunen lässt.

Zwischen einer 11-Uhr-Veranstaltung und einer 18-Uhr Veranstaltung kann es nämlich durchaus sein, dass man kaum etwas Warmes vor Ort zu Essen bekommt. Dieses Phänomen betrifft die Sommerlichen Musiktage genauso wie die regional besonders populäre, gerade zu Ende gegangene winterliche Musikwoche. Und das Erstaunlichste: Deren Veranstaltern fällt derlei gar nicht mal auf. Die schauen eher irritiert, wenn man sie darauf anspricht, ob es irgendwelche Überlegungen gibt, wie man dieser Haltung der Einheimischen zu ihrem eigenen Festival vielleicht zum Positiven hin beeinflussen könnte.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Sowohl im Sommer als auch im Winter wird seitens der Organisatoren so viel wie möglich getan, um es den Gästen angenehm zu machen. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Mehrzahl der im Zentrum von Hitzacker lebenden Menschen diese Festivals ziemlich egal sind.

Nun, die lange Ära Güttler der Musikwoche ist vorbei, die kurze Zeit von Carolin Widmann als Chefin der Sommerlichen Musiktage wird im Sommer gleichfalls Geschichte. Für die gerade zu Ende gegangene winterliche Musikwoche wurde mit dem Oboisten Albrecht Mayer ein Musiker von beträchtlicher Popularität gewonnen. Ob sein Ruf aber so gut ist, dass dieser alleine schon so viele Zuhörer zieht wie der in der Generation der Grauhaarigen äußerst beliebte Altmeister Güttler, das weiß niemand.

Mayer wurde vor ein paar Jahren vom überhitzten Klassikmarkt wie ein Komet in den Himmel geschossen, es weiß aber niemand, ob er bald wieder als Stein oder als Diamant herunterfällt. Auch ist überhaupt nicht einzuschätzen, wie weit er in der Lage ist, die gestalterischen Möglichkeiten eines Festivals zu nutzen. Klar ist, dass sich die programmatische Unschärfe des Güttler-Festivals der neue Festivalleiter nur noch schwerlich wird dauerhaft leisten können.

Mayers Vorteile könnten darin bestehen, dass er möglicherweise bessere Möglichkeiten hat, an Geld von staatlichen und privaten Förderern heran zu kommen. Außerdem dürfte er, im Gegensatz zu Güttler, das Festival nicht so eng an seinen Namen binden wie sein Vorgänger, will sagen: Man wird unter Mayer fast sicher mehr erstklassige Musiker in Hitzacker hören können als das bisher der Fall war. Die bisher gehandelten Namen (Levit, Ottensamer) klingen vielversprechend, aber nicht unbedingt sehr originell.

Man darf gespannt sein, wie sich die Dinge in Hitzacker entwickeln, nicht nur bei den Festivals selbst, sondern auch um die Festivals herum.

Von Reinald Hanke