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Kultur Mega-Ausstellungsprojekt „Made in Germany“ geht in die dritte Runde
Weltgeschehen Kultur Mega-Ausstellungsprojekt „Made in Germany“ geht in die dritte Runde
13:34 02.06.2017
Hannover

Die Chancen dafür stehen gut, denn „Made in Germany“ besticht einmal mehr durch Vielfalt und Originalität. Der Ausstellungstitel ist hier seit jeher Programm: Es geht um Kunstschaffende, die in Deutschland wirken, was nicht bedeutet, dass sie auch von dort stammen müssen – gerade in Berlin tummeln sich Kreative aus aller Herren Länder. Erstmals gibt es ein Motto; es lautet „Produktion“ und kreist um die vielschichtige Frage, wie heutzutage Kunst entsteht.

Zum Beispiel oft erst vor Ort, was ein entscheidender Grund dafür ist, dass die Ausstellungen in den drei Häusern mit ihren sehr unterschiedlichen Räumlichkeiten höchst individuell ausfallen. Im Kunstverein etwa hat sich die Berlinerin Schirin Kretschmann durch die Oberlichtdecke im großen Saal zu der Arbeit „Physical“ inspirieren lassen: Sie entfernte die Glaselemente und breitete sie auf dem Boden aus, wo sie Bestandteil einer komplett blau bestäubten Fläche wurden. Je nach Tageszeit verändern Licht- und Schattenwirkungen die ebenso minimalistische wie eindringliche Installation.

Beim Betreten des Raumes, den das Künstlerinnenduo „Peles Empire“ gestaltet hat, lässt man zunächst Vorsicht walten, weil der Boden mit allerlei Materialien bedeckt zu sein scheint. Tatsächlich handelt es sich um Fotografien: Katharina Stöver und Barbara Wolff pflegen Ansichten ihres eigenen Ateliers in die Werke einzubinden, die einst durch die eigentümlichen Räume im rumänischen Schloss Peles inspiriert waren. Wandarbeiten und Kachelelemente ergänzen den faszinierenden Aufbau im Kunstverein.

Der allerdings auch Grusliges zu bieten hat. Raphaela Vogels Version des Niedersachsen-Rosses scheint nicht nur heftig angeschmolzen zu sein, sondern ist auch mit dem Anatomie-Modell einer überdimensionalen weiblichen Brust in geöffnetem Zustand verbunden. Im Nebenraum wiederum ist die Künstlerin selbst in einem Film zu sehen, wie sie mit einer Puppe im Arm durch eine gewaltige Wasserrutsche saust. Der Titel „Uterusland“ gibt durchaus zu denken.

Neu bei dieser Ausgabe von„Made in Germany“ ist auch, dass jedes der drei Ausstellungshäuser einen sehr bekannten Namen präsentiert. Im Kunstverein ist das Willem de Rooij, wobei der in Frankfurt lehrende Niederländer seine Arbeiten sympathischerweise an eher dezenten Stellen zeigt: Im Treppenaufgang begrüßt, sicherlich mit leicht ironischem Touch, ein prachtvoller Blumenstrauß den Besucher, und in einem Nebenraum gibt es eine zeitgenössische Version des „Schwarzen Quadrats“ – handgewebt in einer Ära, die doch immer mehr von digitalen Produktionsweisen geprägt ist.

Was Kestnergesellschaft und Sprengel Museum zeigen? Darüber demnächst an dieser Stelle mehr.

Von Jörg Worat